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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
aufgrundderunterdurchschnittlichenSchneehöhedeutlichgeringer.Durchdie
fehlende Aufnahme von Schnee innerhalb der Sturzbahn (Entertainment)
konnten die Lawinen kaum längere Ausmaße erreichen und in tiefliegende
Siedlungsbereiche vorstoßen. Exponierte Infrastruktur, wie z.B. Alpenver-
einshütten oder höhergelegene Verkehrswege, waren allerdings durchaus ge-
fährdet. Ammeisten betroffen waren die Regionen der Silvretta, das hintere
Paznauntal,dasKaunertalunddasKühtai.DenentscheidendenImpulsfürdiese
seit Jahrzehnten lawinenreichstenTagegabeineam08.03.2017heranziehende
Warmfront. Sie brachte lokalNeuschneemengenvonüber 100cm, einendeut-
lichen Temperaturanstieg sowie stürmische Verhältnisse auf den Bergen. Die
Lawinengefahr stieg in vielenRegionen auf »groß« an.DieHauptlawinenakti-
vität war am 09.03.2017. Bei beginnenderWetterbesserung spielte am 10.03.
2017vorallemdiedurchWindverfrachtungenverursachteZusatzbelastungeine
wesentliche Rolle für Lawinenauslösungen. Ausgedehnte Erkundungsflüge
zeigten,dassalleExpositionenvonLawinenabgängenbetroffenwaren,vermehrt
jedoch der SektorWest über Nord bis Ost oberhalb von etwa 2.200m. Ver-
gleichsweise geringwarendie Folgendieser heiklenPhase: Es gabwenige ver-
letzteWintersportler–diegroßeMassewarsehrdefensivunterwegs–undnur
einige Sachschäden. AußergewöhnlichesAusmaßnahmauch eine Lawine un-
terhalbder»VorderenJamspitze«an,dieam10.03.2017um13:00Uhrspontan
abging. Der Anrissbereich lag bei einer Seehöhe von 3.150m, der Ablage-
rungsbereichbei 2.450m,dieGesamtlängebetrug1.820m.
20.3.6 Katastrophensituationvom22.01.bis24.01.2018
Am 22.01.2018 wurde das erste Mal seit dem Katastrophenwinter 1998/99
wieder die Gefahrenstufe 5, (»sehr groß«), für weite Teile Tirols ausgegeben.
Zwei kurz aufeinanderfolgendeNiederschlagsereignisse waren für diese kriti-
sche Situation verantwortlich: Zunächst eine Warmfront in der Nacht auf
Sonntag,den21.01.2018,mitNeuschneesummenzwischen30und60cminden
westlichenGebietendesTirolerOberlandes,undeineweitereWarmfront inder
Nacht auf den22.01.2018mitNeuschneesummenzwischen50und80cm,die
von stürmischemNordwestwind begleitet wurden. Vom20.01. bis 22.01.2018
(2Tage) fielen in jenen Gebieten, inwelchen die Gefahrenstufe 5 ausgegeben
wurde, lokal über 1 Meter Neuschnee. Am Beispiel der Beobachterstation
Nauders (Datensatz seit 1896) wird klar, dass die SummedesNeuschnees im
Bereicheiner20-jährigenWiederkehrwar:
Lawinen522
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Title
- ExtremA 2019
- Subtitle
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Authors
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Editor
- Katrin Sattler
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 778
- Category
- Geographie, Land und Leute