Page - 571 - in ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich
Image of the Page - 571 -
Text of the Page - 571 -
© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
EisabbrĂĽchemit groĂźemVolumenwerden als GletscherstĂĽrze (EisstĂĽrze) be-
zeichnet. In denOstalpenwurdemittlerweile kaltes Eis (amBett angefroren)
nachgewiesen (Bohleber et al., 2018).Bei rĂĽckschmelzendenTalgletschern tre-
ten EisabbrĂĽche vermehrt imĂśbergang zwischen den steilen Talflanken und
demKarauf, sindsomit ein temporäresPhänomen,dasmitweiteremRückzug
des Eises ins Kar verschwindet. Die Hangneigung des Gletscherbettes spielt
daher eine entscheidende Rolle. Besonders rasche Eisbewegung, etwa durch
EindringenvonWasser,Änderungender thermischenBedingungenunddabei
stattfindendeVerringerungdesReibungswiderstandes, oderdurchSurges (ex-
tremesAnsteigen der FlieĂźgeschwindigkeit in sehr kurzer Zeit) kann dasVo-
lumenvonEisstürzenvergrößern. InbisherbekanntenFällen ist vordemAuf-
treten vonEisabbrĂĽchen eine Zunahme vonMikrobeben, Rissbildungen oder
Fliessgeschwindigkeiten (Faillettaz et al., 2015) beobachtbar. BeiKenntnis des
Gefahrenpotential besteht somit die Möglichkeit eines Monitorings zur Risi-
kopräventionbzw.Frühwarnung.
Die Modellierung von Sturzereignissen impliziert die Berechnung nichtli-
nearerProzesse,derenVorhersagbarheit starkvonderzeitlichenAuflösungder
Messwerte amOrt des Ereignisses abhängt (Pralong et al., 2005) und somit
die Existenz eines Monitoringprogrammes samt vorheriger Klassifizierung
gefährlicher Situationen (also der naturräumlichen Prozessanalyse und des
Schadenspotentials)bedingt.
FĂĽr dieModellierungkomplexer geomorphologischer Ereignisketten (siehe
auchBeitrag24zuMulti-Hazards&Kaskadeneffekte indiesemBand)potenziert
sichdieseUnsicherheit (Mergili et al., 2018).
22.2.3 StandundZustandösterreichischerGletscher
Im internationalenVergleich zählen dieösterreichischenGletscher zu den am
längsten und besten untersuchten (Fischer et al., 2018). Sie haben seit ihrem
HochstandamEndederKleinenEiszeitum1850mehralsdieHälfteihrerFläche
verloren,wobeiAusmaßundAuswirkung/AusprägungdesGletscherschwundes
regional und individuell unterschiedlich sind (Fischer et al., 2015). DieMes-
sungen imRahmendesösterreichischenGletschermonitoringsumfassen jähr-
licheBeobachtungenderGletscherlänge(seit1891,Fischeretal.,2018)vonetwa
100Gletschern, derGletschermassenbilanz von etwa10Gletschern (Fischer et
al., 2016), vereinzelt Abflussmessungen und die Erfassung der Fläche und
Oberflächengeometrie aller Gletscher in Zeitreihen von Gletscherinventaren
(1850–1969–1998–2006, Fischer et al., 2015). Einzelne Geschwindigkeitsmes-
sungen zeigendiehoheVariabilität der Fließgeschwindigkeiten (Fischer et al.,
2018). Die Eisdicke österreichischer Gletscher ist mit direktenMessungen an
Definition/TerminologieGletschergefahren 571
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
back to the
book ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich"
ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich
- Title
- ExtremA 2019
- Subtitle
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich
- Authors
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Editor
- Katrin Sattler
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 778
- Category
- Geographie, Land und Leute