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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
Gefahrenprozesse zusammentreffen (EuropeanCommission, 2011). Als Beispiel
wäre hierbei einHangrutsch zunennen, derdurch einHochwasserereignis her-
vorgerufen wurde. Auch im (österreichischen) Alpenraum sind solche Kaska-
deneffekteimmerwiederfĂĽrExtremereignisseverantwortlich.Westenetal.(2014)
unterscheiden zusätzlich je nach Interaktionsgrad zwischen gekoppelten Ereig-
nissen, verknĂĽpften Ereignissen (Prozesskombinationen) sowie Ereignissen, die
diePrädisposition fürweitereEreignisseverändern (Prozessketten).Beideners-
teren handelt es sich um Ereignisse, die simultan ausgelöst werden (z.B. ein
Erdbeben, das Felsstürze und Schneelawinen auslöst), während zweitere zwar
zusammenhängen, aber zeitlich nacheinander ablaufen (z.B. Aufstau einesGe-
wässers durch eine Hangrutschung und ein nachfolgender Dammbruch mit
Hochwasser). Ein Beispiel für veränderte Disposition ist die Bodenschädigung
durcheinenWaldbrand,diedieNiederschlagsinfiltrationvermindertunddamit
dieDisposition fürMurgängeerhöht,ohnediesedirektauszulösen.
UnterMulti-Hazardswerden ineinemNaturgefahrenkontext allemöglichen
und relevanten Naturgefahren und deren Interaktion in einem bestimmten
räumlichenAusschnitt und/oder zeitlichenPeriode verstanden (Kappes et al.,
2012a; Duncan, 2014; Gill undMalamud, 2014; Duncan et al., 2016). Multi-
Hazard Risikoanalysen bilden eine wichtige Grundlage fĂĽr die DurchfĂĽhrung
vonMaĂźnahmen zur Risikoverringerung in Gebieten mit diversen Naturge-
fahren (Kappes et al., 2012a). Dadurch können gezielte Schutzmaßnahmen
implementiert und somit damit verbundene Kosten reduziert werden (Pfurt-
schellerundThieken,2013).EsgibtjedochimmernochsehrwenigeAnsätzezur
gleichzeitigenAnalysevonmehrerenGefahrentypenineinerRegion(Westenet
al.,2014).GroßeHerausforderungenfürsolcheAnalyseansätzeergebensichvor
allem aufgrund von schlechterDatenlage in Bezug auf vergangene Ereignisse,
der Vergleichbarkeit der unterschiedlichenNaturgefahren aufgrund ihrer un-
terschiedlichen Prozesseigenschaften sowie der Erfassung und Parametrisie-
rungvonWechselwirkungen (inkl.Kaskadeneffekten) zwischenden einzelnen
Prozessen (Chen et al., 2016). Umunterschiedliche Gefahrenprozessemitein-
ander zu vergleichen,werden in einemNaturgefahrenkontext häufig die Para-
meter Prozessintensität und Eintrittswahrscheinlichkeit herangezogen (z.B.
Kunz undHurni, 2008; Loat, 2010), die spärlicheDatenbasis führt jedoch bei
Kaskadeneffekten zu besonders hohenUnsicherheiten (Chen et al. 2016). Zur
Erfassung vonWechselwirkungen zwischen verschiedenenNaturgefahrenpro-
zessen können beispielsweise Interaktions-Matrizen (Abbildung01a) oder
Netzwerk-Diagramme(Abbildung01b)verwendetwerden.
ReduziertmanAbbildung01aaufdiejenigenProzesskombinationen,die fĂĽr
denAlpenraumrelevant sindunddie einepotenzielleVeränderungdurchden
Klimawandel erfahren, bleibennur bestimmteProzessketten inder Praxis be-
deutsam.Diesewerden imFolgendentypisiert:
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Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich
- Title
- ExtremA 2019
- Subtitle
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich
- Authors
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Editor
- Katrin Sattler
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 778
- Category
- Geographie, Land und Leute