Page - 635 - in ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich
Image of the Page - 635 -
Text of the Page - 635 -
© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
wennBäumeallein aufgrundder physiologischenEffekte vonTrockenheit ab-
sterben können, sind doch sehr häufig sekundären Schadorganismen an der
Mortalität beteiligt und führen zu einer beträchtlichenBeschleunigung punk-
tuelleraberauchflächigerMortalitätundallgemeineinemVerlustderResilienz
(Klein, 2015).
25.4 SchutzwaldundNaturgefahren
25.4.1 SchutzwaldundHochwasser
SchonEngler(1919)erkanntedieWirkungvonWaldvegetationalseinzentrales
ElementderDämpfungvonHochwasserspitzeninalpinenEinzugsgebieten.Die
Ursachen fĂĽrdieHochwasserkatastrophen imfrĂĽhen19. Jh. sindauchamBei-
spielderOsttirolerHochwasserkatastrophe1965/66erkennbarundsinddamals
wieheutebegrĂĽndetdurch:
1)Gering bewaldete Wildbacheinzugsgebiete mit ungenĂĽgender Wasserzu-
rĂĽckhaltung,
2) StarkenoberflächlichenAbflussderNiederschlägeaufdendurchWaldweide
verdichtetenBöden,
3)Ausplenterung (Plünderung) von Schutz- und Bannwäldern auf labilen
Standorten,
4)AbsenkungderWaldgrenze.
Je nach Baumart werden zwischen 4 und 6mm je Niederschlagsereignis im
Kronenraum zurĂĽckgehalten. Viel wichtiger als dieser KronenrĂĽckhalt ist je-
dochdasBrechenderkinetischenEnergiedesNiederschlagesdurchdieWald-
vegetation. Bei Starkregenereignissen werden die mit hoher Geschwindigkeit
auftreffendenTropfendosiertĂĽberdasKronendach,eineeventuellvorhandene
Zwischenschicht, Bodenvegetation und Humusablage in den Mineralboden
abgeleitet;eventuellauftretenderOberflächenabflusswirdaufgrunddervielfach
rauerenOberflächedeutlichverzögert(Markartetal.,2017).Waldvegetationist
daher als die bestmöglicheVegetationsform in Bezug auf Abfluss- und Erosi-
onsprozesseanzusehen (Pichler, 2018).
Auswertungen der Beregnungsdatenbank des BFW–diese enthält mittler-
weile Ergebnisse von ca. 400 Beregnungsversuchen in ca. 40 Regionen bzw.
GebietendesOstalpenraumes – belegen eine deutlich geringereAbflussdispo-
sitionaufWaldstandorteninRelationzuanderenLandbedeckungsformen(z.B.
Grünland, Acker oder Brache) bei vergleichbaren Bodenverhältnissen. Diese
Waldwirkungen werden auch durch Ergebnisse anderer Untersuchungen be-
stätigt (z.B.Bunzaet al., 1996;Nordmann,2011).
SchutzwaldundNaturgefahren 635
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
back to the
book ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich"
ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich
- Title
- ExtremA 2019
- Subtitle
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich
- Authors
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Editor
- Katrin Sattler
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 778
- Category
- Geographie, Land und Leute