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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
PerzlundRössel (2017)untersuchten imLaternsertal/Vorarlberg inwelchen
Bestandestypen zwischen 2001 bis 2006Rutschungen inBezug auf denWald-
zustandnachdenLuftbildernausdemJahr2001aufgetretensind.ImVerhältnis
zumFlächenanteil des Bestandestyps war der Anteil der Rutschungen in ein-
schichtigengeschlossenenundlockerenBaumhölzern(Überschirmung+55%)
am geringsten und somit die Schutzwirkung am größten. Die geringste
SchutzwirkunghattenBlößen (Überschirmung< 15%,Breite+ 50m, Fläche
<2.000m2) und Kleinblößen (Breite < 50m) gefolgt von Strauch-/Jung-
wuchsflächen sowie locker-räumigen (Überschirmung<55%)gestuftenoder
zweischichtigenBeständen.
Die schutzwirksameĂśberschirmung liegt demnach ĂĽber der Minimalan-
forderung (Ăśberschirmung+ 40%) derWaldbau-Richtlinie NaiS (Frehner et
al.,2005) imBereichder inderRichtlinieempfohlenenidealenĂśberschirmung
von+60%.ZumdiesemSchlusskommtauchMoos(2014).Die Interpretation
der Ergebnisse vonMoos (2014) und die Daten aus dem Laternsertal lassen
allerdingsaufgrunddesgeringenAnteils vonRutschungen inmehrschichtigen
oder gestuften Beständen keine generell bessere Schutzwirkung dieserWald-
strukturen imVerhältnis zueinschichtigenBeständenvermuten.
Zusätzlich zur Struktur eines Bestandes, ist die Schutzwirkung desWaldes
möglicherweise vom Ablauf des Niederschlagsereignisses abhängig. Im La-
ternsertalwar beimStarkregenereignis 21./22.Mai 1999 dieRutschungsdichte
imWald imVerhältnis zumNicht-Waldwesentlich geringer (1:2) als beimEr-
eignis 22./23.August 2005 (1:1,1) (Perzl und Rössel, 2017). MaßgeblicheÄn-
derungen desWaldzustands können im Zeitraum zwischen den Ereignissen
ausgeschlossenwerden,undbeibeidenEreignissenlagderGesamtniederschlag
beica. 250mminzweibisdreiTagen(Zieheretal.,2017).ImMai1999erreichte
der kumulierte Niederschlag zum Zeitpunkt der maximalen Intensität von
ca. 13mm/h ca. 150mm.ZudiesemZeitpunkt lag imAugust 2005der kumu-
lierteNiederschlag ähnlichhochbei 140mm, aberdiemaximale Intensität er-
reichte ca. 18mm/h. Bis dahinwurde innerhalb von 10 Stunden eineNieder-
schlagsintensität von 10mm/h 6-mal erreicht. Beim Mai-Ereignis wurden
10mm/h in den 10 Stunden vor der maximalen Intensität nur 2-mal knapp
ĂĽberschritten. Obwohl beide Ereignisse die bekannten Niederschlags-Dauer-
Intensitäts-Schwellenwerte für Rutschungsauslösungen deutlich überstiegen,
wurdenaufWaldflächendurchdasEreignis imMai1999mit geringerenKurz-
zeit-IntensitätendeutlichwenigerRutschungenausgelöstalsdurchdasEreignis
imAugust 2005.
Fazit: SchutzwaldundRutschungenbei extremenNiederschlägen
Waldvegetationweist vermutlich gegenRutschungsauslösungenbei Extremer-
eignissen mit längerer Niederschlagsdauer aber geringerer Intensität einen
SchutzwaldundExtremereignisse640
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich
- Title
- ExtremA 2019
- Subtitle
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich
- Authors
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Editor
- Katrin Sattler
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 778
- Category
- Geographie, Land und Leute