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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
höherenSchutzwirkungsgradauf als bei solchenmit kurzzeitigerhoher Inten-
sität. Niederschlags-Dauer-Intensitäts-Schwellenwerte für bestimmte Waldty-
pen bzw.Waldzustände sind aber nicht bekannt und könnten derzeit nur ex-
perimentell angenähert werden. Eine größere Anzahl von Rutschungen wird
meist nur bei extremenNiederschlagsereignissen ausgelöst. Da der Zeitpunkt
der Auslösung der einzelnen Rutschungen aufWaldflächen bestimmten Typs
nur in seltenen Fällen genau bekannt ist, kann auch nicht festgestellt werden,
ob bestimmte Bestandesstrukturtypen (bei vergleichbarem Standort) unter-
schiedlichaufdenNiederschlagsverlaufoder extremeNiederschläge reagieren.
25.4.3 SchutzwaldundSteinschlag
Mit demAusbau der Infrastruktur in den österreichischenTälern hat die Be-
deutungdesWaldes vor allemals Schutz gegenSteinschlagdeutlich zugenom-
men. Trotz der Tatsache, dass die Wirkung desWaldes bei extremen Stein-
schlagereignissen (Definitionsgrenze zumBergsturz) gering ist, sollen imFol-
gendendieWirkmechanismenundGrenzenskizziertwerden.
Etwa 13% desĂ–sterreichischenWaldes (440.000ha) haben nach den Be-
rechnungen des BFW eine Steinschlag-Schutzfunktion. Viele Studien haben
gezeigt, dassWälder einen effizienten und kostengünstigen Steinschlagschutz
bieten(Wehrli et al., 2006;NotaroundPaletto,2012), insbesonderebeikleinen
Massenereignissen (<5m3) (Berger et al., 2002).
Auf bewaldetenHängenhat ein fallender SteinnachdemKontakt auf einen
Baum zwei Reaktionsmöglichkeiten: der Stein wird entweder gestoppt oder
abgelenkt (Dorrenetal., 2006).Bei jedemAufprallwirddieGesamtenergiedes
Gesteins teilweise reduziert (Dorren und Berger, 2006; Bertrand et al., 2013).
Daher tragenWälder dazu bei, sowohl die Energie als auch die Anzahl der
Gesteine zu reduzieren, die das Leben und die Infrastruktur vonMenschen
bedrohen(Stoffel et al., 2006).
In Berggebieten ist die Optimierung derWaldbewirtschaftung zur Abmil-
derung vonNaturgefahren bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung andererĂ–ko-
systemleistungen ein langfristiges, grundlegendesZiel. ZudiesemZweckwur-
den mehrere empirische Zielwerte für Bestandsparameter (hauptsächlich
Stammdichte,Grundfläche,BaumdurchmesserundräumlicheVerteilung)vor-
geschlagen,umdieSchutzwirkungvonWäldernzuoptimieren(Gsteiger,1993;
WasserundFrehner, 1996;Perret et al., 2004).
DieseAnsätzehabendenVorteil,dasssiefürWaldbewirtschaftereinfachund
direkt durchführbar sind. Sie basieren jedoch hauptsächlich auf Expertenbe-
obachtungenund sinddaher nicht ausreichend, umdie funktionalenProzesse
derWechselwirkungen zwischenWaldundSteinschlag zubeschreibenundzu
SchutzwaldundNaturgefahren 641
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich
- Title
- ExtremA 2019
- Subtitle
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Ă–sterreich
- Authors
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Editor
- Katrin Sattler
- Publisher
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Size
- 15.5 x 23.2 cm
- Pages
- 778
- Category
- Geographie, Land und Leute