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Kapitel 5: Der Reichstag in Augsburg
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suchen sollte119. Wie unsicher Ferdinand die Situation in Aachen einschÀtzte,
lĂ€Ăt sich aus seiner Bitte an Philipp II. ableiten, er möge als Nachbar der Stadt
mithelfen, daĂ sie nicht an die Protestanten verlorengehe120. Die Kommission
erhielt vom mehrheitlich katholischen Rat der Stadt die Versicherung, keine
Ănderung in der Religion einfĂŒhren zu wollen, so daĂ zunĂ€chst kein Hand-
lungsbedarf fĂŒr den Kaiser gegeben war121. Das ein Jahr spĂ€ter erlassene neue
Ratsstatut sicherte bis auf weiteres die KatholizitÀt der Krönungsstadt, denn das
katholische Bekenntnis wurde zur Voraussetzung fĂŒr die Mitgliedschaft im Rat
und die AusĂŒbung stĂ€dtischer Ămter erklĂ€rt122. Endlich gehört hierher auch die
BestĂ€tigung der Privilegien des Hochstifts Naumburg, dem ebenso wie MeiĂen
und Merseburg die Gefahr drohte, durch kursÀchsischen Zugriff mediatisiert zu
werden. Mit deutlicher Zuspitzung gegen solche Absichten bekrÀftigte Ferdi-
nand das alleinige Wahlrecht des Domkapitels bei Sedisvakanz und die Unzu-
lÀssigkeit von SchutzverhÀltnissen der Stiftsuntertanen zu anderen Herrschaf-
ten123. KurfĂŒrst August hat sich dadurch allerdings nicht beeindrucken las-
sen124.
WĂ€hrend Ferdinand sich mit den Protestanten ĂŒber die âQualitĂ€tenâ eines
Generalkonzils und ihr Verlangen nach der âFreistellungâ herumstritt, nutzte
er das positive Votum der Katholiken zu einem Konzil aus, um sie anzuspor-
nen, umgehend mit kirchlichen Reformen in ihrem EinfluĂbereich zu beginnen.
Nachdem die im November 1558 in Speyer zusammengetretene Theologen-
konferenz zur Ăberarbeitung der âFormula Reformationisâ von 1548 die An-
gelegenheit auf den Reichstag verschoben hatte125, hatte am 14. MĂ€rz eine Be-
ratung mehrerer Bischöfe zur Einsetzung einer Deputation gefĂŒhrt, die jene
Arbeit unter der Leitung von Julius Pflug durchfĂŒhren sollte126. Seither hatte
sich zwar der Bischof von Augsburg wieder des Problems angenommen und
allen katholischen ReichsfĂŒrsten (sowie dem Kardinalskollegium) am 22. Mai
eine lĂ€ngere Denkschrift ĂŒber die Lage der Religion in Deutschland zugehen
lassen127. Aber Ergebnisse in Gestalt von ernsthaften VorschlĂ€gen lieĂen auf
sich warten, so daĂ Ferdinand ein Monitum fĂŒr angebracht hielt, das am 30.
Juni den katholischen StÀnden vorgetragen wurde, wobei der Kaiser auch selbst
das Wort nahm128. Ferdinand legte darin nicht nur einen Katalog vor129, was an
119 Ritter, Geschichte 1, S. 222f; Schmitz, S. 44 u. S. 50. Anscheinend hat die katholische Mehrheit
auch den neuen Hofprediger des Kaisers Sitthard eingeschaltet, der lÀngere Zeit in Aachen ge-
wirkt hatte; doch lieĂ sich Ferdinand von ihm nicht zu energischerem Eingreifen bewegen (NB
II 1, S. 123).
120 Weiss 5, S. 611: Arras an Philipp II., 25.6.1559
121 Schmitz, S. 54
122 Ritter, Geschichte 1, S. 223
123 HHStA Wien, RHRP 17, fol 5r: Eintrag zum 14.6.1559
124 Zur Bistumspolitik des KurfĂŒrsten August vgl. Ritter, Geschichte 1, S. 192f
125 s. Kapitel 2, S. 205
126 Bucholtz 7, S. 424f; Pfeilschifter, S. 323
127 Siebert, S. 240
128 Blarer 2, S. 447 (Bericht v. 3.7.1559); Goetz, BeitrÀge, S. 160
129 HHStA Wien, RK RTA 42, fol 45r-50r und fol 23r-29v (Konzept), undatiert. AusfĂŒhrliche, zum
Teil wörtliche Wiedergabe bei Bucholtz 7, S. 432â435; knappe Referate bei Pfeilschifter, S. 323
und Westphal, S. 99
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- MĂŒnster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien