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Kapitel 5: Der Reichstag in Augsburg
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vozierte im Fürstenrat einen Zornausbruch bei Zasius, der behauptete, Öster-
reich sei darüber unzureichend informiert worden und werde überhaupt wie
„der geringste Bauer“ behandelt255. Schon vorher sollen in dem kleinen, nur aus
persönlich anwesenden Fürsten bestehenden Ausschuß des Fürstenrates, der
über die Rückgabe von Metz zu beraten hatte, neben Konstanz andere durch
die Habsburger vorgenommene Entfremdungen vom Reich, nämlich mehrere
burgundische Annexionen, angesprochen und als Parallelen zu dem französi-
schen Verhalten kritisiert worden sein256. Ferdinand wies die Beschwerde der
schwäbischen Kreisstände dann energisch als unzutreffend und unbegründet
zurück und bestritt ihnen das Recht, den Reichstag mit der Angelegenheit zu
befassen257. –
Erst als der Reichstag fast vorbei war, erhielt Ferdinand den Ratschlag der
Kurfürsten zu seinem Streit mit Papst Paul IV. Er hatte nicht gedrängt und
gegenüber den Reichsständen große Zuversicht zur Schau getragen: Als die
hessischen Räte dem Kaiserhof das ja nicht mehr neue Gerücht weitergaben, der
Papst wolle das Kaisertum auf den französischen König übertragen, wurde
ihnen erwidert, der Kaiser sei guter Dinge, weil er regulär zu dieser Würde
gekommen sei und viele ausländische Herrscher ihm gratuliert und ihn aner-
kannt hätten; darum störe es ihn auch nicht, daß der Papst ihm die Krönung
verweigere258. Erst am 5. August debattierte der Kurfürstenrat bei persönlicher
Anwesenheit von drei Kurfürsten darüber, was dem Kaiser zu empfehlen sei259.
Während die geistlichen Kurfürsten zwar ihr Befremden über das Verhalten
des Papstes ausdrückten, aber keinen Handlungsbedarf sahen und dem Kaiser
nur zum Abwarten und später zur Verständigung mit einem neuen Papst raten
wollten, gingen die weltlichen mit Rom hart ins Gericht. Der Vertreter des
Kurfürsten August skizzierte mehrere Punkte für eine Antwort, die auf eine
scharfe Zurückweisung der kurialen Position hinausliefen: Wenn der Papst den
Frankfurter Staatsakt förmlich anfechten werde, solle man einen Protest und
Appell an ein Konzil „da das wort gottes rechten“ formulieren und eine Bitte
an den Kaiser richten, „ein reformation des babsts und seines anhangks fur-
zunemen“. Brandenburg ergänzte, ein vom Papst geführter Prozeß verstoße
gegen die Goldene Bulle, darum solle der Kaiser ihm drohen, wenn er davon
nicht ablasse, werde er nicht mehr als Papst betrachtet werden. Diese Anregun-
gen waren natürlich nicht konsensfähig.
255 HStA Marburg, PA 1276, fol 59v/60r: Protokoll zum 19.6.1559; Ernst, Bw. 4, S. 679
256 HStA Marburg, PA 1275, fol 52v: Bericht v. 9.5.1559 (die Autoren waren nicht mehr Mitglieder
im Ausschuß!). Häberlin 4, S.118, äußerte die Vermutung, daß Herzog Christoph die Themen
angeschnitten habe; in dessen Instruktion finden sich in der Tat derartige Überlegungen (Ernst,
Bw. 4, S. 599).
257 Seine Antwort (v. 20.7.1559) gedruckt bei Goldast, Reichshändel, S. 1043ff; zur Sache Zimmer-
mann, S. 95ff.
258 HStA Marburg, PA 1275, fol 50r-51r: Bericht v. 9.5.1559 (Kopie)
259 HHStA Wien, MEA WuKA 3 (alt 2/2), unfoliiert: Mainzer Protokoll über die Beratung am
5.8.1559; vgl. Wolf, Protestanten, S. 212f; Leeb, Reichstagsgeschehen, S. 252f; Luttenberger,
Kurfürsten, S. 88ff
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien