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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Seite - 356 -
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Kapitel 5: Der Reichstag in Augsburg 1559356 vozierte im Fürstenrat einen Zornausbruch bei Zasius, der behauptete, Öster- reich sei darüber unzureichend informiert worden und werde überhaupt wie „der geringste Bauer“ behandelt255. Schon vorher sollen in dem kleinen, nur aus persönlich anwesenden Fürsten bestehenden Ausschuß des Fürstenrates, der über die Rückgabe von Metz zu beraten hatte, neben Konstanz andere durch die Habsburger vorgenommene Entfremdungen vom Reich, nämlich mehrere burgundische Annexionen, angesprochen und als Parallelen zu dem französi- schen Verhalten kritisiert worden sein256. Ferdinand wies die Beschwerde der schwäbischen Kreisstände dann energisch als unzutreffend und unbegründet zurück und bestritt ihnen das Recht, den Reichstag mit der Angelegenheit zu befassen257. – Erst als der Reichstag fast vorbei war, erhielt Ferdinand den Ratschlag der Kurfürsten zu seinem Streit mit Papst Paul IV. Er hatte nicht gedrängt und gegenüber den Reichsständen große Zuversicht zur Schau getragen: Als die hessischen Räte dem Kaiserhof das ja nicht mehr neue Gerücht weitergaben, der Papst wolle das Kaisertum auf den französischen König übertragen, wurde ihnen erwidert, der Kaiser sei guter Dinge, weil er regulär zu dieser Würde gekommen sei und viele ausländische Herrscher ihm gratuliert und ihn aner- kannt hätten; darum störe es ihn auch nicht, daß der Papst ihm die Krönung verweigere258. Erst am 5. August debattierte der Kurfürstenrat bei persönlicher Anwesenheit von drei Kurfürsten darüber, was dem Kaiser zu empfehlen sei259. Während die geistlichen Kurfürsten zwar ihr Befremden über das Verhalten des Papstes ausdrückten, aber keinen Handlungsbedarf sahen und dem Kaiser nur zum Abwarten und später zur Verständigung mit einem neuen Papst raten wollten, gingen die weltlichen mit Rom hart ins Gericht. Der Vertreter des Kurfürsten August skizzierte mehrere Punkte für eine Antwort, die auf eine scharfe Zurückweisung der kurialen Position hinausliefen: Wenn der Papst den Frankfurter Staatsakt förmlich anfechten werde, solle man einen Protest und Appell an ein Konzil „da das wort gottes rechten“ formulieren und eine Bitte an den Kaiser richten, „ein reformation des babsts und seines anhangks fur- zunemen“. Brandenburg ergänzte, ein vom Papst geführter Prozeß verstoße gegen die Goldene Bulle, darum solle der Kaiser ihm drohen, wenn er davon nicht ablasse, werde er nicht mehr als Papst betrachtet werden. Diese Anregun- gen waren natürlich nicht konsensfähig. 255 HStA Marburg, PA 1276, fol 59v/60r: Protokoll zum 19.6.1559; Ernst, Bw. 4, S. 679 256 HStA Marburg, PA 1275, fol 52v: Bericht v. 9.5.1559 (die Autoren waren nicht mehr Mitglieder im Ausschuß!). Häberlin 4, S.118, äußerte die Vermutung, daß Herzog Christoph die Themen angeschnitten habe; in dessen Instruktion finden sich in der Tat derartige Überlegungen (Ernst, Bw. 4, S. 599). 257 Seine Antwort (v. 20.7.1559) gedruckt bei Goldast, Reichshändel, S. 1043ff; zur Sache Zimmer- mann, S. 95ff. 258 HStA Marburg, PA 1275, fol 50r-51r: Bericht v. 9.5.1559 (Kopie) 259 HHStA Wien, MEA WuKA 3 (alt 2/2), unfoliiert: Mainzer Protokoll über die Beratung am 5.8.1559; vgl. Wolf, Protestanten, S. 212f; Leeb, Reichstagsgeschehen, S. 252f; Luttenberger, Kurfürsten, S. 88ff CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Titel
Ferdinand I. als Kaiser
Untertitel
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Autor
Ernst Laubach
Verlag
Aschendorff Verlag
Ort
Münster
Datum
2019
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
786
Schlagwörter
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Kategorie
Biographien
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