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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Kapitel 6: Religiöse Eintracht und Reform der Kirche362 antwortlichen und Theologen über die strittigen Fragen im religiösen Bereich zur Verständigung zu kommen. Erstmalig machte sich Ferdinand die Forderung nach einem Konzil nach dem (dritten) Nürnberger Reichstag (1524) zu eigen, auf dem weder der kaiser- liche Sondergesandte Hannart noch der päpstliche Legat Campeggio auf das im Vorjahr erhobene Ersuchen nach Einberufung der allgemeinen Kirchenver- sammlung eingegangen waren, weshalb die Reichsstände über Ersatzlösungen diskutiert und sich auf die Ansetzung einer Versammlung der deutschen Stände zur Behandlung der Religionsstreitigkeiten verständigt hatten14. In der umfang- reichen Instruktion für den Herrn von Bredam, einem „Schlüssel zum Ver- ständnis der habsburgischen Politik der frühen zwanziger Jahre in der Sicht der österreichischen Linie“15, die nach dem Reichstag im Juni 1524 fertiggestellt wurde, fand sich die gegenüber der Haltung Karls von kritischen Untertönen nicht freie Bemerkung, angesichts der durch Luther und seine Anhänger aufge- rührten Probleme „cum commodius de illis omnibus per generale concilium decisio fieri possit, quod ... citissime, ut fieri possit, esset indictura“16. Und im Anschluß an den Reichstag veranstaltete der Erzherzog gemeinsam mit dem päpstlichen Legaten den Regensburger Konvent, dessen Ergebnis zum einen die „Regensburger Einung“ war, in der sich die anwesenden süddeutschen Stände zu enger Zusammenarbeit bei der Durchführung des Wormser Ediktes verban- den, zum anderen eine auf starkes Drängen der bayerischen Herzöge vom Le- gaten erlassene Ordnung zur Reform des Klerus17. Wenn auch Ferdinand auf die Beratungen und ihren Ertrag noch kaum Einfluß genommen haben dürfte – zugegen war allerdings Bischof Bernhard Cles von Trient, der bald danach zu seinem wichtigsten Berater wurde18 –, so dokumentiert doch seine persönliche Anwesenheit in Regensburg sein Interesse und diente dazu, die Gewichtigkeit des Konventes zu steigern. Nachdem er auf dem (ersten) Reichstag in Speyer 1526 als eine negative Fol- ge der kurialen Konzilsunwilligkeit den berühmten Gewissensvorbehalt der Reichsstände hatte hinnehmen müssen, sah Ferdinand in der „Gefangenschaft“ des Papstes Clemens VII. als Folge des „Sacco di Roma“ die Chance, den Wi- derstand des Oberhauptes der Kirche zu brechen. In einem Brief vom 30. Mai 1527 riet er seinem Bruder, den Erfolg in Italien dazu auszunutzen, um ein Generalkonzil herbeizuführen; der Papst müsse ihm jetzt entgegenkommen, und Karl müsse als Oberhaupt der Christenheit („bon empereur et chief de la christienté“) angesichts der großen Gefährdung des katholischen Glaubens handeln19. Dieser Appell nahm Gedankengänge auf, die in der Kanonistik des frühen 16. Jahrhunderts durchaus noch geläufig waren, wonach der Kaiser be- rechtigt und sogar verpflichtet sei, ein Konzil zu berufen, wenn der Papst es 14 Vgl. Laubach, Nationalversammlung, S. 4f u. S. 10–13 15 Rill, Fürst, S. 63 16 KF 1, S. 186 17 Einung und Reformordnung sind publiziert in ARC 1, S. 329ff u. S. 334ff; dort auch weitere Aktenstücke zum Konvent. Jüngste Besprechung bei Winkler, passim. 18 Vgl. Rill/Thomas, S. 15 u. S. 31 19 KF 2, Nr. 67, S. 82, auch zitiert bei Brandi, Karl V. 2, S. 184; vgl. Lutz, Christianitas, S. 19 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
MĂĽnster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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