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Kapitel 6: Religiöse Eintracht und Reform der
Kirche414
men373. Kardinal Guise scheint schon früher angedeutet zu haben, wenn der
Kaiser und Spanien die Konzilsbulle annähmen, könne Frankreich sie nicht
ablehnen374. Da diese Situation jetzt gegeben schien, ließ die französische Regie-
rung dem Papst die Erklärung zukommen, die französischen Prälaten würden
nach Trient aufbrechen, sobald die Gesandten und Bischöfe der anderen Länder
die Reise dorthin angetreten hätten375. Wenige Tage später wußte Katharina
von Medici, daß zwei Prämissen falsch gewesen waren376. Aber in Rom nutzte
man die Chance, obwohl auch die Zustimmung Spaniens noch keineswegs si-
cher war. Soeben, am 10. März, hatte der Papst drei weitere Konzilslegaten
ernannt377. Die Erklärung Karls IX. wurde von ihm gegenüber Arco und von
Borromeo in einer Weisung an Hosius erst einmal als vorbehaltlose Annahme
interpretiert378. In einem zwei Wochen später ergangenen Breve an Ferdinand
nahm Pius IV. jene Reiseklausel zum Anlaß für die Aufforderung, die Entsen-
dung eigener Vertreter nach Trient nicht länger zu verzögern379.
In Verlegenheit geriet der Papst durch das Ende März von einem Sonderge-
sandten übermittelte – also als besonders gewichtig einzustufende – Ansinnen
Philipps II., die Berufungsbulle zugunsten der Fortsetzung des Konzils von
Trient zu präzisieren380. Philipp hatte sich mit seiner Stellungnahme Zeit gelas-
sen. Die Vorgänge im Reich hatten seine im November geäußerte Ansicht er-
härtet, die Sendung an die Protestanten werde ergebnislos bleiben und mindere
die Autorität des Heiligen Vaters381. Die Überlegungen des Kaisers im An-
schluß an die Naumburger Antwort, die ihm Gúzman erläuterte, konnten ihn
nicht umstimmen382. Durch die Anordnung, vor jener Klarstellung sollten die
spanischen Bischöfe nicht nach Trient abreisen, setzte der König Druck hinter
seine Forderung. Folge seiner Aktion war, daß monatelang in der Schwebe
blieb, wann das Konzil beginnen könne; der ursprüngliche Ostertermin war
schon preisgegeben worden383. Erst im Juni 1561 hob Philipp die Sperre auf-
grund des Gutachtens einer Prälatenkommission wieder auf384. Ferdinand kriti-
sierte die den seinigen entgegengesetzten Bemühungen Philipps II. scharf: Die
Bestätigung der früheren Sessionen und Beschlüsse würde in Deutschland alles
vernichten; sowohl durch Gúzman in Spanien als auch durch Luna, den er
durch eingehende Darlegung seiner Argumente zu überzeugen vermochte,
373 Ebda, S. 191 mit Anm. 52
374 Brown 7, S. 285: Bericht Surianos v. 7.1.1561
375 CT 8, S. 167: Karl IX. an Angoulême, 3.3.1561
376 Im Brief Katharinas an Bochetel v. 7.3.1561 (Ferrière 1, S. 171f) kommt ihre Enttäuschung über
die in ihren Augen zu geringe Entschlußkraft des Kaisers und über das tatsächliche Ergebnis der
Naumburger Tagung deutlich zum Ausdruck.
377 Jedin, Konzil 4/1, S. 57
378 Sickel, Konzil, S. 186: Arco an F., 19.3.1561; NB II 1, S. 226: Weisung v. 15.3.1561
379 Sickel, Konzil, S. 188: Breve v. 31.3.1561
380 Döllinger 1, S. 358ff: Instruktion v. 13.3.1561 für Ayala. Zu den damaligen politischen Spannun-
gen zwischen Rom und Madrid vgl. Šusta 1, S. 15 u. S. 172f.
381 Döllinger 1, S. 342ff: Philipp an Vargas, 22.11.1560
382 HHStA Wien, Spanien Dipl.Korr. 6, fol 5r/v + 8r/v sowie 9r/v + 11r/v: Berichte Gúzmans v.
1.3. u. 12.3.1561; aus letzterem ein Zitat bei Chudoba, Relaciones, S. 310 Anm. 1
383 Šusta 1, S. 1f: Pius IV. an Kardinal v. Mantua, 22.3.1561
384 Jedin, Konzil 4/1, S. 50
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien