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Kapitel 7: Kaiser Ferdinand und die dritte Tagungsperiode des
Tridentinums488
die Übergriffe der weltlichen Gewalt in den kirchlichen Bereich abgestellt wer-
den485. Aber was hier kirchenrechtlich fixiert werden sollte, ging viel weiter, „es
war nicht mehr und nicht weniger als der Versuch, das Verhältnis von Kirche
und Staat einseitig zu regeln“486. So sollte der Klerus ausschließlich geistlicher
Jurisdiktion unterliegen und diese vor jeglichem Eingriff von Laien (also der
Fürsten) geschützt sein. Unzulässig sollte sein, jemandem eine Pfründe zu ver-
sprechen, womit den Fürsten die jahrhundertelang geübte Möglichkeit genom-
men worden wäre, verdiente Anhänger zu versorgen. Jede Belastung der Geist-
lichen sowie von Kirchengut mit Steuern und Abgaben seitens der weltlichen
Gewalt sollte verboten sein – schon die Oratoren hatten kritisiert, daß damit
selbst die Heranziehung zur Türkensteuer ausgeschlossen wäre487, und Seld
ergänzte, die weltlichen Stände würden es nicht dulden, wenn die geistlichen
von den Kosten für notwendige Maßnahmen befreit wären488. Die Verpflich-
tung der weltlichen Gewalt, den Bischöfen bei der Durchführung päpstlicher
Dekrete beizustehen, wurde voll aufrechterhalten, jede Mitsprache (das fürstli-
che „Placet“) dagegen verworfen. Sämtliche die kirchlichen Immunitäten und
Freiheiten irgendwie beeinträchtigenden Bestimmungen sollten nichtig sein.
Jeder Verstoß wurde unter die kirchliche Verfluchung gestellt489.
Es ist hier nicht zu erörtern, ob die „Fürstenreform“ eine unabdingbare und
stimmige Konsequenz war, wenn man eine durchgreifende Kirchenreform
wollte, wie Morone es in der deswegen mit Ferdinand geführten Kontroverse
mehrmals behauptet hat. Zweifellos ignorierten die Vorschläge die prekäre
Situation im Reich völlig. Seld erachtete sie als unannehmbar und meinte, auch
die anderen Herrscher würden hart getroffen. Er äußerte den Verdacht, das
Kapitel sei aufgenommen worden, um die Reform unleidlich zu machen490. Das
war insofern nicht abwegig, als Borromeo Ende Juni an die Legaten geschrieben
hatte, sie möchten, da jedermann mit der vielgepriesenen Reform Stöße gegen
die Autorität des Heiligen Stuhls und der Kardinäle führen wolle, endlich auch
„das Lied von der Reform der Fürsten singen lassen“491. Demnach sollte den
weltlichen Mächten etwas zugemutet werden.
Ferdinand machte aus seiner Ablehnung kein Geheimnis, wenn er auch seine
Empörung zügelte, als er auf die Anfrage Bochetels, ob die Trienter Artikel
seinen Vorstellungen gerecht würden, erwiderte, neben mancherlei Gutem seien
andererseits etliche Bestimmungen darunter, deren Durchführung nicht nur
schwierig, sondern in Deutschland ganz unmöglich sei; manche Deutsche wür-
485 s. Kapitel 6, S. 365f u S. 382 zu den Salzburger Provinzialsynoden v. 1539 u. 1549 sowie oben S.
421 zu der von 1560.
486 Jedin, Konzil 4/2, S. 125
487 Ihre Annotation unter (N) bei Kassowitz, S. XLVI; s. dazu unten Anm. 497.
488 wie Anm. 479, fol 96v/97r
489 Besser als der Druck bei Bucholtz 9, S. 703ff ist der bei Prosdocimi, S. 30ff; Inhaltsübersichten
bei Kassowitz, S. 238ff und Jedin, Konzil 4/2, S. 125.
490 „Utinam haec non artificio qoudam ita conscripta sint, ut totum reformationis negocium tanto
reddatur intricatius“ (wie Anm. 479, fol 96r; auch zitiert bei Kassowitz, S. 251 Anm. 2).
491 Šusta 4, S. 100f, in Übersetzung zitiert bei Lecler, S. 503
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien