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Der Grumbach-Skandal und der Wormser Deputationstag 1564 557
unlaidlichâ299. Das Mandat zur Achtexekution vom 6.11.1563 enthielt in Pa-
renthese die ErklĂ€rung, der Kaiser habe den ohnehin nichtigen Vertrag ânoch
zu allem Uberfluà auà Röm. Kay. Machtvolkomenheit ... cassirt, auffgehoben,
vernicht, abgethanâ300.
Wegen der sofortigen AchterklÀrung pries zehn Jahre spÀter Simon Schard
Ferdinand in höchsten Tönen als Herrscher, âqui toto Imperii sui tempore
justitiae observantissimus fuisset, pacem coluisset, omnesque violentas actiones
prae caeteris odissetâ301. TatsĂ€chlich hatte der Kaiser die Angelegenheit mit viel
Langmut behandelt, aus RĂŒcksicht auf die politischen Verbindungen des Ritters
vorsichtig behandeln mĂŒssen. Schon im FrĂŒhjahr 1560 war die Ăchtung Grum-
bachs vom Landsberger Bund beantragt worden, um damit der unruhigen Rit-
terschaft ein Warnzeichen zu setzen302. Ferdinand aber hatte dagegen rechtliche
und politische Bedenken gehabt: der Augsburger Abschied stelle klar, wann
âsolliche unruewige leuth ipso jure in die acht gefallen sein sollenâ, sonst aber
sei er durch seine Wahlkapitulation verpflichtet, niemanden ungehört zu Àch-
ten, jedoch werde ein Verhör nur Weiterungen verursachen, da Grumbach von
etlichen FĂŒrsten protegiert werde303. Sein Rat Georg Ilsung hatte ihm in einem
Gutachten mit dem Argument zugestimmt, man könne Grumbach nicht in die
Acht erklĂ€ren, da seine Beteiligung an der Ermordung des Bischofs von WĂŒrz-
burg nicht erwiesen sei, und die an Machiavelli erinnernde Anregung hinzuge-
fĂŒgt, am besten wĂ€re es, wenn die frĂ€nkischen StĂ€nde diesen Gegner beseitigen
lieĂen304. Um den stĂ€ndigen Unruheherd auszulöschen, hatte Ferdinand dann
nochmals eine gĂŒtliche Einigung zwischen Grumbach und der FrĂ€nkischen
Einung unter Vermittlung der rheinischen KurfĂŒrsten eingeleitet305. Man kann
daraus ersehen, daĂ der Ferdinand zugeschriebene Leitspruch âFiat justitia aut
pereat mundusâ seine Politik nicht treffend charakterisiert. Alle Appelle an die
FrÀnkische Einung hatten jedoch nichts gefruchtet, so daà er resignierte, er
könne ihr den gĂŒtlichen Ausgleich ja nicht aufdrĂ€ngen306. Erst als im Februar
1562 die Festnahme der Mörder von WĂŒrzburg glĂŒckte und ihre GestĂ€ndnisse
Grumbach vom Verdacht der Verwicklung in das Verbrechen nicht entlasteten,
verweigerte Ferdinand neuen AusgleichsvorschlÀgen seine Zustimmung307.
Grumbach selbst hat Anfang 1561 König Maximilian um FĂŒrsprache bei Her-
zog Heinrich dem JĂŒngeren, der als Anwalt der FrĂ€nkischen Einung hartnĂ€ckig
auf einem Urteil des Reichskammergerichts bestand und sich einem Vergleich
widersetzte, gebeten, zugleich aber angekĂŒndigt, er mĂŒsse sonst, da er nun neun
Jahre auf sein Recht warte, das tun, âsovil mir des heiligen reichs Ordnung und
299 HHStA Wien, RHRP 21, fol 167v: Eintrag zum 6.11.1563
300 Ortloff 1, S. 539
301 Schard, Epitome, S. 168r. Press, Grumbach, S. 416, bezeichnet Ferdinand als âstrikten Vertreter
der Einhaltung reichsrechtlicher Normenâ.
302 HHStA Wien, RK Rig 35, fol 445r-448r: Antrag des Landsberger Bundes v. 9.3.1560 an F; vgl.
auch Goetz, BeitrÀge, S. 181ff
303 HHStA Wien, ebda, fol 455v-458v: F. an Regierung in Innsbruck, 23.3.1560 (das Zitat fol 456r)
304 Goetz, BeitrÀge, S. 185 Anm. 1. Eine Reaktion Ferdinands darauf scheint nicht vorzuliegen.
305 Einzelheiten bei Ortloff 1, S. 219ff
306 HHStA Wien, RHRP 18, fol 37v/38r u. fol 47v
307 Ortloff 1, S. 261ff, zu Ferdinands Haltung S. 270; Holtzmann, S. 425
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- MĂŒnster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien