Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographien
Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Page - 614 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 614 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

Image of the Page - 614 -

Image of the Page - 614 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

Text of the Page - 614 -

Kapitel 9: Die Sicherung der Nachfolge im Reich614 letzten Angebote aus Wien. Als Entgelt wurde unverblümt die Zustimmung zur Beendigung des Konzils genannt. Zur Wahrung des Gesichtes wurde ge- wünscht, Maximilian solle als König von Böhmen und Ungarn – seine Krönung in Preßburg hatte soeben stattgefunden – seine Obödienz erklären, wie es ande- re Könige auch täten300. Im Gespräch mit Arco erläuterte der Papst, er kenne ein Schreiben Karls V. aus Barcelona, in welchem dieser als Kaiser „obsequi- um“, als Herr seiner anderen Königreiche „oboedientia“ versprochen habe; der Gesandte parierte mit dem Hinweis, das von Maximilian als Römischer König zu leistende Versprechen sei eben davon verschieden301. Nicht der Kaiser, sondern der Papst räumte als erster seine Position302. Kein Geringerer als Morone hat das festgestellt, als er Ferdinand dazu gratulierte, daß der Papst sich habe überzeugen lassen, auf die habsburgischen Vorschläge eingegangen sei und alles zurückgestellt habe, was vorher seine Meinung ver- wirrt habe303. Bisher hatte Ferdinand jenes Tauschgeschäft abgelehnt, jetzt ging er darauf ein. In der Meldung Delfinos, der Kaiser sei nunmehr mit der baldigen Beendi- gung des Konzils einverstanden, ist zwar überhaupt keine kuriale Gegenlei- stung erwähnt304, aber aus Ferdinands Antwort an Morone geht sie deutlich genug hervor. Darin zitiert der Kaiser genüßlich Morones Bemerkung über das Einlenken des Papstes und quittiert mit der Versicherung, er werde dessen Wohlwollen vergelten und sich alle Mühe geben, die Erwartungen des Kardi- nals nicht zu enttäuschen305. Man war am Kaiserhof zu dem Urteil gelangt, hinsichtlich der Approbation am Ziel zu sein, „weil die Bäpstl. Ht. alles das eingangen, das wir letstlich begert haben“, wie Zasius Herzog Albrecht berichtete. Das Schreiben des kaiserlichen Rates bietet zugleich Aufschluß über den Entscheidungsprozeß: Danach war es Maximilian, der im persönlichen Gespräch den Vater überzeugte306. Der Kaiser habe sich zwar über des Sohnes eifriges Eintreten für die Ansicht des Papstes gewundert, „doch dest lieber condescendirt, weil solches Irer Kon. Mt. bei der Bäpstl. Ht. zu grossem vertrauen und ewiger obligation raichen mues“307. Ma- ximilian beurteilte die Erfolgschancen des Konzils schon lange skeptischer als der Kaiser, insbesondere seit dem Besuch Morones in Innsbruck308. Es war 300 NB II 3, S. 426ff: Weisungen v. 19.9.1563 an Delfino; Constant, Légation, S. 267f: Borromeo an Morone, 19.9.1563 301 Sickel, Konzil, S. 581: Arco an F., 18.9.1563 302 Dies ist gegen Ganzer, Konzil, S. 38, festzuhalten. 303 „... in quam sententiam venerit Stas Sua atque uti, posthabitis rationibus omnibus quae antea ipsius animum perturbabant, nunc rationibus a Mte V. adductis pene acquieverit...“ (Sickel, Konzil, S. 604f: Morone an F., 23.9.1563). 304 NB II 3, S. 440: Bericht Delfinos v. 4.10.1563 305 Constant, Légation, S. 283ff: F. an Morone, 2.10.1563 (das Zitat aus Morones Schreiben S. 284) 306 Zu weiteren Gründen für das Arrangement mit der Kurie vgl. Kapitel 7, S. 496ff u. S. 507 307 Goetz, Beiträge, S. 268; vgl. auch Delfinos Bemerkung zu Cosimo I.: „S.Stà ha grande obligo col re de Romani“ (v. 5.10.1563, zitiert NB II 3, S. 454 Anm. 5). 308 Seine kritischen Briefe v. 24.5.1563 (HHStA Wien, Rom, Varia 3, Konv. 1563, fol 44r-46r und fol 47r/v + 49r/v) gedruckt bei Bucholtz 9, S. 689ff. Frühere kritische Äußerungen zum Konzil z. B. VD 3, S. 215f u. S. 219f. CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
back to the  book Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V."
Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Ferdinand I. als Kaiser