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Kapitel 9: Die Sicherung der Nachfolge im
Reich614
letzten Angebote aus Wien. Als Entgelt wurde unverblümt die Zustimmung zur
Beendigung des Konzils genannt. Zur Wahrung des Gesichtes wurde ge-
wünscht, Maximilian solle als König von Böhmen und Ungarn – seine Krönung
in Preßburg hatte soeben stattgefunden – seine Obödienz erklären, wie es ande-
re Könige auch täten300. Im Gespräch mit Arco erläuterte der Papst, er kenne
ein Schreiben Karls V. aus Barcelona, in welchem dieser als Kaiser „obsequi-
um“, als Herr seiner anderen Königreiche „oboedientia“ versprochen habe; der
Gesandte parierte mit dem Hinweis, das von Maximilian als Römischer König
zu leistende Versprechen sei eben davon verschieden301.
Nicht der Kaiser, sondern der Papst räumte als erster seine Position302. Kein
Geringerer als Morone hat das festgestellt, als er Ferdinand dazu gratulierte,
daß der Papst sich habe überzeugen lassen, auf die habsburgischen Vorschläge
eingegangen sei und alles zurückgestellt habe, was vorher seine Meinung ver-
wirrt habe303.
Bisher hatte Ferdinand jenes Tauschgeschäft abgelehnt, jetzt ging er darauf
ein. In der Meldung Delfinos, der Kaiser sei nunmehr mit der baldigen Beendi-
gung des Konzils einverstanden, ist zwar überhaupt keine kuriale Gegenlei-
stung erwähnt304, aber aus Ferdinands Antwort an Morone geht sie deutlich
genug hervor. Darin zitiert der Kaiser genüßlich Morones Bemerkung über das
Einlenken des Papstes und quittiert mit der Versicherung, er werde dessen
Wohlwollen vergelten und sich alle Mühe geben, die Erwartungen des Kardi-
nals nicht zu enttäuschen305.
Man war am Kaiserhof zu dem Urteil gelangt, hinsichtlich der Approbation
am Ziel zu sein, „weil die Bäpstl. Ht. alles das eingangen, das wir letstlich begert
haben“, wie Zasius Herzog Albrecht berichtete. Das Schreiben des kaiserlichen
Rates bietet zugleich Aufschluß über den Entscheidungsprozeß: Danach war es
Maximilian, der im persönlichen Gespräch den Vater überzeugte306. Der Kaiser
habe sich zwar über des Sohnes eifriges Eintreten für die Ansicht des Papstes
gewundert, „doch dest lieber condescendirt, weil solches Irer Kon. Mt. bei der
Bäpstl. Ht. zu grossem vertrauen und ewiger obligation raichen mues“307. Ma-
ximilian beurteilte die Erfolgschancen des Konzils schon lange skeptischer als
der Kaiser, insbesondere seit dem Besuch Morones in Innsbruck308. Es war
300 NB II 3, S. 426ff: Weisungen v. 19.9.1563 an Delfino; Constant, Légation, S. 267f: Borromeo an
Morone, 19.9.1563
301 Sickel, Konzil, S. 581: Arco an F., 18.9.1563
302 Dies ist gegen Ganzer, Konzil, S. 38, festzuhalten.
303 „... in quam sententiam venerit Stas Sua atque uti, posthabitis rationibus omnibus quae antea
ipsius animum perturbabant, nunc rationibus a Mte V. adductis pene acquieverit...“ (Sickel,
Konzil, S. 604f: Morone an F., 23.9.1563).
304 NB II 3, S. 440: Bericht Delfinos v. 4.10.1563
305 Constant, Légation, S. 283ff: F. an Morone, 2.10.1563 (das Zitat aus Morones Schreiben S. 284)
306 Zu weiteren Gründen für das Arrangement mit der Kurie vgl. Kapitel 7, S. 496ff u. S. 507
307 Goetz, Beiträge, S. 268; vgl. auch Delfinos Bemerkung zu Cosimo I.: „S.Stà ha grande obligo col
re de Romani“ (v. 5.10.1563, zitiert NB II 3, S. 454 Anm. 5).
308 Seine kritischen Briefe v. 24.5.1563 (HHStA Wien, Rom, Varia 3, Konv. 1563, fol 44r-46r und
fol 47r/v + 49r/v) gedruckt bei Bucholtz 9, S. 689ff. Frühere kritische Äußerungen zum Konzil
z. B. VD 3, S. 215f u. S. 219f.
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Titel
- Ferdinand I. als Kaiser
- Untertitel
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Autor
- Ernst Laubach
- Verlag
- Aschendorff Verlag
- Ort
- Münster
- Datum
- 2019
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 786
- Schlagwörter
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Kategorie
- Biographien