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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Page - 693 -
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Page - 693 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

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Die baltische Frage 693 die dazu noch ausstehenden Zahlungen von den Ständen des niedersächsischen Kreises, die am meisten an einer höheren Hilfe für Livland interessiert waren, verweigert werden könnten, ja daß es zu „genzlicher absonderung von den oberlendischen stenden“ kommen könne, und er wollte keinesfalls zugeben, daß die Livlandhilfe vor der Türkenhilfe rangieren und deswegen gegen hierin säumige Zahler zuerst mit Prozessen vorgegangen werden sollte. Man muß dabei berücksichtigen, daß er noch keine Verständigung mit Johann Sigismund Zapolya erreicht hatte. Berechtigt war ferner die Überlegung, daß ein solcher Beschluß des Deputationstages, der ein Novum in der Geschichte des Reiches gewesen wäre, auf Widerstand bei den nicht beteiligten Ständen stoßen, nämlich von ihnen für unverbindlich erklärt werden würde, zumal wenn es nur ein Mehrheitsbeschluß wäre. Darum wurden die Kommissare in Speyer angewie- sen, in diesem Punkt die Initiative ganz den Ständen zu überlassen; auch den Ausweg einer Vertagung des Beschlusses auf den nächsten Reichstag sollten sie keinesfalls selbst anregen, durften ihr aber trotz der Bedenken im Blick auf die niedersächsischen Stände zustimmen. Die Kommissare sollten verhindern, daß unwilligen Zahlern mit dem Reichsfiskal gedroht würde; stattdessen sei der Kaiser zu ermächtigen, an deren Solidarität zu appellieren584. Soweit die Bedenken Ferdinands in Speyer vorgetragen worden sind, haben sie überzeugt. So brauchte der Kaiser in dem Rundschreiben, mit dem alle Reichsstände davon in Kenntnis gesetzt wurden, daß der Deputationstag eine zusätzliche Hilfe von 200000 Gulden beschlossen hatte, was für jeden Stand einen Beitrag in Höhe von zwei Römermonaten bedeutete, keine Sanktionen anzudrohen; den Ständen wurde nur vorgestellt, daß sie im Falle solcher Not auch gern den Beistand anderer haben wollten und darum die „vormauer des hayligen reichs gegen auslendische barbarische völcker“ nicht im Stich lassen sollten585. Mit der Festlegung, das Geld zur Aufstellung von Truppen zu ver- wenden, die nach Livland geschickt werden sollten, war der Deputationstag noch einen Schritt weiter gegangen586. Dieser Aspekt war in Ferdinands Wei- sung nicht behandelt worden, so daß seine Vertreter, Graf Karl von Zollern und Zasius, nur unter dem Vorbehalt nachträglicher Genehmigung des Kaisers zu- gestimmt hatten587. Ferdinand leitete die ihm zufallenden Schritte umgehend in die Wege. Er be- nannte den Grafen Ludwig von Stolberg, einen Ordenskomtur und den bran- denburgischen Rat Dr. Prißmann für die geplante Gesandtschaft nach Moskau, 584 Reimann, Verhalten, S. 376, hatte für diese Bedenken kein Verständnis. 585 HStA Marburg, PA 1402, fol 90r-91r: Gedrucktes Rundschreiben Ferdinands v. 23.1.1561; ediert in MLA 5, S. 737ff 586 Der Abschied des Deputationstags v. 26.12.1560 gedruckt in MLA 5, S. 732ff. Luttenberger, Kurfürsten, S. 314ff, hat diese Beratungen, die in den Mainzer Akten unzureichend dokumen- tiert sind, übergangen, obwohl sie zu einem positiven Beschluß geführt haben, der alle Reichs- stände verpflichten sollte. Sogar Philipp II. ordnete die Zahlung des Anteils der Niederlande an, obwohl er meinte, aufgrund des Burgundischen Vertrages dazu nicht verpflichtet zu sein (Gachard, Corr. 1, S. 493f: Ph. an Margarete v. Parma, 15.6.1561). – Das Urteil von Neuhaus, Repräsentationsformen, S. 461, der Deputationstag sei gescheitert, weil er in anderen Fragen keine Beschlüsse zustandebrachte, ist einseitig. 587 Ihr Vorbehalt MLA 5, S. 735 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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