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DIE FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK UND DIE PRIVATBIBLIOTHEK FRANZ JOSEPHS 241
Die Rückvergütung des von Khloyber 1853 eingezogenen damaligen Kas-
saguthabens (siebter Punkt) erfolgte in Form der Bewilligung von 6.000 fl.
zur Bestandspflege und für den Druck des ersten Katalogbandes.758
Die im achten und neunten Punkt des Arbeitsprogramms formulierten
Maßnahmen sind die ausführlichsten und weitreichendsten hinsichtlich der
Bestandspflege und -erweiterung und werden aus diesem Grund zusammen
behandelt. Hierauf beziehen sich auch die meisten Becker’schen Initiativen.
Die beachtliche Menge an Dubletten, die er zu vermarkten versucht, wa-
ren teilweise seit langem im Bestand der Fideikommissbibliothek vorhan-
den (etwa durch Ankauf mehrerer Abzüge von Grafikblättern), ein Teil war
das Resultat von Khloybers bewusst in Kauf genommener Unordentlichkeit.
Becker scheint sich von diesem Vorhaben jedoch mehr erwartet zu haben.
Es liegen zumindest nur wenige Aktenbelege vor, die Tauschhandel doku-
mentieren. Dubletten wurden an andere Institutionen verteilt, selbst wenn
sich kein geeignetes Tauschobjekt vorfand. Geschenke erhielten eben auch
schon damals die Freundschaft. So überlässt er etwa der k. k. Hofbib
liothek
sowie der Wiener Akademie der bildenden Künste je vier Radierungen von
der Hand der Erzherzogin Maria Karoline (1801–1832) und ein Porträt
ihres Vaters Franz I. von Raphael Morghen.759 Mit der Akademie werden
anschließend auch Buch- und mit dem k. k. Kriegsarchiv Kartendubletten
ausgetauscht.760 Nicht verwertbare Mehrfachexemplare wurden an die land-
wirtschaftliche Fachschule Francisco-Josephinum in Mödling verschenkt.761
Becker trennt sich auch mit relativer Leichtigkeit von Objekten, die auf-
grund ihrer Beschaffenheit besondere Lagerungsbedingungen erfordern
würden und nicht den aktuellen Sammlungsinteressen entsprechen. So
werden im Jahr 1876 etliche Herbarien (teilweise auch aus dem Bestand
der Ferdinandea) an die Hochschule für Bodenkultur, das k. k. botanische
Hofkabinett, die zoologisch-botanische Gesellschaft (alle Wien) und die mäh-
risch-schlesische Forstschule in Eulenberg (Sovinec, Mähren) verschenkt,762
wobei sich letztgenannte umgehend mit einem Konvolut an Jahresberichten
758 FKBA27005.
759 FKBA27021 u. FKBA27022.
760 FKBA28009 (Akademie der bildenden Künste), FKBA29020 (Kriegsarchiv).
761 FKBA27033.
762 FKBA28023; darunter FRANZ 2.608, 8.428, 8.774, 10.878 u. 15.639 (einige stamm-
ten auch aus der 1875 nach Wien transferierten ferdinandeischen Privatbibliothek, vgl.
FKBA28062, fol. 1v). Der Kontakt zu Eulenburg wurde gewiss über Beckers Bruder Theo-
dor (vgl. Anm. 845), einem fürstlich Liechtenstein’schen Forstmeister und Centralaus-
schuss-Mitglied des mährisch-schlesischen Forstschulvereins, hergestellt (vgl. fol. 13r); vgl.
auch Beetz, Porträtsammlung (1935), 44.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken