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DREI KAISER – DREI
BIBLIOTHEKEN304
ner eigenen Regentschaft 1848 und an die finanziell kargen Jahre bis zum
Tod Ferdinands erinnert haben. Um seinen Regierungsnachfolgern dieses
Schicksal zu ersparen, widmete er etwa die Hälfte seines Privatvermögens
(30 Millionen Gulden) als finanzielle Basis für die ihm nachfolgenden Kaiser
von Österreich. Um zu verhindern, dass diese Mittel anderweitig weiterver-
erbt werden, (etwa an Franz Ferdinands nicht ebenbürtige Nachkommen-
schaft), erklärte er das Vermögen zu einem Fideikommiss, das mit seinem
Tod ins Leben treten und an seine jeweiligen Regierungsnachfolger gehen
sollte. Es wurde späterhin als „Kaiser Franz Joseph I-Kronfideikommiss“
bekannt und umfasste an Immobilien neben den von Kaiser Ferdinand er-
erbten böhmischen Besitzungen unter anderem auch das Jagdhaus Franz
Josephs in Mürzsteg. Nach dem Ende der Monarchie wurde dieses Fidei-
kommiss und andere – weil es sich um gebundenes Privatvermögen han-
delte – von der Republik Österreich verstaatlicht. Mürzsteg wurde zum Som-
mersitz des Bundespräsidenten. Hätte es Franz Joseph per Testament als
freiverfügbares Vermögen weitergegeben, wie etwa die Villa in Ischl, wäre es
der Familie Habsburg-Lothringen vermutlich erhalten geblieben.980
5.10.3 Ära Khloyber
Der Ausnahmezustand in dem sich der Wiener Hof im Jahre 1848 befand
und die politischen Umstände, die ihn sogar zur Flucht aus Wien veran-
lassten, hatten nicht nur zur Folge, dass weniger Bücher bestellt bzw. ge-
liefert wurden und sich somit der Restsaldo der Bibliothekskasse beständig
erhöhte. Auch die sichtlich notwendige Kontrolle des Bibliotheksvorstehers
Khloyber war nicht geübt worden. Erst nachdem sich der zurückgetretene
Kaiser Ferdinand und seine Gattin Prag als künftigen ständigen Wohnsitz
gewählt hatten und eine Trennung sowohl des Hofstaats als auch der Pri-
vatkasse vollzogen worden war,981 begannen die nun ausschließlich für die
Belange Kaiser Ferdinands zuständigen Beamten in Prag damit, sich einen
Überblick über die in ihre Zuständigkeit fallenden Einrichtungen zu ver-
schaffen.
Der Obersthofmeister Kaiser Ferdinands I., René-Charles Graf Bombel-
les, weist Khloyber am 12. Oktober 1852 von Reichstadt aus an, einen Voran-
schlag über die prognostizierten Ausgaben der Fideikommissbibliothek vom
November 1852 bis Oktober 1853 vorzulegen, da er selbst von Ferdinand
beauftragt worden sei, eine Gesamtübersicht der Einnahmen und Ausgaben
(des kaiserlichen Haushalts) zu erstellen. Der abgedankte Kaiser hatte die
980 Ebenda, 323.
981 Vgl. dafür Wien, ÖStA, HHStA, OMeA, Kt. 594 (1850), Rubr. 130.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken