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DIE FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK UND DIE PRIVATBIBLIOTHEK FRANZ JOSEPHS 313
„Bisher habe ich mich immer genau nach dem benommen, was mir gleich
nach dem Regierungsantritte Seiner Majestät des Kaisers Ferdinand aufge-
tragen wurde, nämlich in beiden Allerhöchsten Bibliotheken (wovon die Eine
gegenwärtig in Prag ist) so vorzugehen und fortzufahren, wie es unter wailand
Kaiser Franz eingehalten worden ist. Weil nun bereits seit dem Jahr 1812
die ausdrückliche Anordnung bestand, die Dotation monatlich zu erheben, so
mußte natürlich mein Vorfahre sowohl als ich dieser Allerhöchsten Weisung
entsprechend nachkommen. Die durch das Jahr 1848 herbeigeführten Wirren
versetzten die Bibliothek in eine Art verwaisten Zustand und als später die
k. k. Staatskanzlei Einfluß zu nehmen schien, in eine förmliche Ungewißheit.
Während dieser unheilvollen politischen Lage in den meisten Ländern, war
die edlere geistige Productionskraft gelähmt, die Fortsetzungen mancher kost-
barer Werke geriethen für die abnehmenden Bibliotheken ins Stocken, und
sind es zum Theile noch; es war bei so bewandten Umständen daher nicht
schwer eine Ersparniß von 5.854 fl. 37 kr. zusammen zu bringen.“1007
Alles in allem macht es aufgrund Khloybers Schilderungen also den An-
schein, als ob die gewiss unangenehme Überprüfung durch die Beamten der
Hofbibliothek ohne nennenswerte Vorkommnisse in gesitteter Form über die
Bühne gegangen wäre, wiewohl der Bibliotheksvorsteher seine Bedenken
nicht verhehlt, dass seine Reputation durch diesen Kontrollbesuch nachhal-
tig beschädigt worden sein könnte.
Lassen wir nun die Gegenseite zu Wort kommen. Obersthofmeister Karl
Fürst zu Liechtenstein beauftragt die k. k. Hofbibliothek am 15. März 1853
einen fachkundigen Beamten „unverzüglich“ in die Fideikommissbibliothek
zu entsenden, da Graf Bombelles es auffallend finde, „daß plötzlich ein so
bedeutendes Erforderniß eintrete“ und der Einband so vieler Bücher zu er-
neuern wäre. Es sei zu erheben, „ob der Werth der gedachten Werke eine so
namhafte Auslage rechtfertigen lasse“.1008 Der Skriptor der Hofbibliothek,
Ernst Birk, schreibt in seinem Bericht:
„Es ist allerdings nicht in Abrede zu stellen, daß eine bedeutende Zahl von
Einbänden meist auf dem Rücken und in den Fälzen mehr oder minder durch
Wurmfraß beschädigt in der a.h. Fideikommißbibliothek sich vorfindet, deren
Umbindung oder theilweise Restaurirung unvermeidlich seyn dürfte. Diese
Beschädigungen fanden jedoch nicht erst in neuerer Zeit statt. Sie rühren aus
einer früheren Epoche her und beschränken sich fast ausschließlich auf Ein-
bände aus dem letztverfloßenen Jahrhundert, die in jeder andern öffentlichen
1007 FKBA26023, fol. 1v–2r.
1008 Wien, ÖNB, Hausarchiv, Protokollzahl 74/1853, Schreiben vom 15.03.1853.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken