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DREI KAISER – DREI
BIBLIOTHEKEN328
Obwohl Becker mit Ausnahme der aktiven Gehälter und Pensionen (I u. II)
für die Auslagen aller übrigen Rubriken (Rechnungskreise) Rechenschaft
ablegen muss, ist er nur für die penible Buchführung jener Gelder verant-
wortlich, die er selbst zu verwalten hat. Dies sind die unter Rubrik III sub-
summierten Ausgaben von 2.400 fl. (ehemalige Dotation für Handauslagen,
die, seit 1876 auf monatlich 200 fl. erhöht, aus der Fideikommisskasse be-
zahlt werden) sowie die separat (nicht als eigene Rubrik) geführten Rabatt-
gelder.1062 Mit erstgenannter Dotation werden neben den Honoraren für
Swieceny und Pino-Friedenthal vorrangig Kanzleiausgaben, das Postporto
und Reinigungsausgaben beglichen, aber beispielsweise auch der Amtska-
lender, die Mitgliedschaften bei diversen Vereinen (Altertumsverein, Adler,
Alpenverein) und kleinere Ankäufe bezahlt. Dass das Budget für diesen Aus-
gabenkreis relativ knapp bemessen war, zeigt sich im April 1877, als der
Architekt Josef Kaiser als Ersatz für den erkrankten Kustos Post um mo-
natliche 50 fl. zunächst provisorisch Verwendung findet. Bereits Anfang Juli
bittet Becker um einen Vorschuss von drei Monatszahlungen (150 fl.) um
Kaiser bezahlen zu können.1063 An Rabattgeldern nimmt man 1876 – für die
Zeit davor liegen keine Aufzeichnungen vor – 79 fl. 28 kr. ein, von denen
74 fl. 50 kr. für Porträts (u. a. von Kriehuber) ausgegeben werden.1064 Von
Beckers noch 1872 vorgeschlagener Zweckwidmung dieser Ersparnis zur
Umbindung defekter Werke und Einbindung von Nachlieferungen war man
wohl zwischenzeitlich abgekommen.1065
Eine Geldquelle ist bei dieser Aufstellung noch außen vorgelassen wor-
den. Nämlich jene Dotation von 600 fl., die Kaiser Franz Joseph für Anschaf-
fungen für seine eigene Privatbibliothek aus seiner Privatkasse ab 1871 ge-
währt hatte. 1876 war sie auf Beckers Bitten hin (für die Komplettierung
der übernommenen Bücher Ferdinands und die Adjustierung seiner Kunst-
blätter) einmalig auf 3.000 fl. mit der Auflage aufgestockt worden, zunächst
das Kassaguthaben (1.867 fl. 47 kr.) aufzubrauchen. Mitte März 1877 ist
diese Auflage bis auf 45 Kreuzer erfüllt. Becker reicht die Abrechnung darü-
ber samt Belegsammlung bei der Fondskassen-Direktion ein.1066 Die meiste
1062 „Rechnungsausweis über die monatliche Dotation für k. k. Familien-Fideikommiss-
und Privat-Bibliothek S.M. des Kaisers für das Jahr 1876“, eingereicht am 05.01.1877,
FKBA28049 (Belege fehlen); „Verrechnung der Rabattgelder der k. k. Familien & Privat
Bibliothek Seiner Majestät des Kaisers im Jahre 1876“, FKBA28048.
1063 FKBA28073.
1064 FKBA28048.
1065 Vgl. dazu Anm. 1047.
1066 FKBA28080. Neben einer Rechnung des Wiener bürgerlichen Tischlers Josef Spalek und
einigen Buchhändlerrechnungen (Prager Hofbuchhändler Kosmack & Neugebauer, Wie-
ner Buchhandlungen Karl Czermak sowie L. W. Seidel & Sohn, Francesco Vallardi [Mai-
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken