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DREI KAISER – DREI
BIBLIOTHEKEN340
„Es ist zu Meiner Kenntnis gekommen, dass der Vorstand der Fideikommiß
Bibliothek, Regierungsrath von Kloyber im Alter so sehr vorgerückt ist, daß
es an der Zeit wäre, demselben seine Aufgabe zu erleichtern, und zugleich für
die Heranbildung eines neuen Leiters dieser wissenschaftlichen Sammlung
zu sorgen, was am besten durch die Anstellung eines Vorstands Adjunkten,
der im Falle als er entspricht, seiner Zeit die Stelle des Vorstandes einnehmen
würde, geschehen könnte.“1094
Ihm (Ferdinand) sei für diesen Posten Josef Waelty1095, ein promovierter
Jurist und Erzieher der Söhne des Oberstkämmerers Franz Graf Folliot de
Crenneville, vorgeschlagen worden, weshalb er Graf Kuefstein bittet, über
den Genannten Erkundigungen einzuziehen und einen Gehaltsvorschlag
zu machen. Zu allererst sei jedoch die Zustimmung seines Neffen Franz Jo-
seph und Erzherzog Franz Karls „sowohl zu dieser Maßregel, als auch zu
der Wahl der Person einzuholen, indem es Mein Wunsch ist, eine so wichtige
Veränderung bei der Fideikommiß Bibliothek nur mit dieser Beistimmung
vorzunehmen“. Der Einfluss Franz Josephs bei der Auswahl Waeltys ist of-
fensichtlich, kam er doch aus dem Umfeld eines seiner obersten und wich-
tigsten Beamten und engsten Berater. Kuefstein äußert sich wenig später
natürlich positiv zur gestellten Anfrage, Waelty habe in seiner neunjährigen
Dienstzeit im Hause Folliot de Crenneville einen entsprechend günstigen
Eindruck hinterlassen. Sein Gehaltsvorschlag liegt bei 1.260 fl. samt 120 fl.
Quartiergeld, womit das Grundgehalt über jenen der Skriptoren liege, wäh-
rend der Gesamtverdienst der letzteren durch deren Personalzulage von
210 fl. letzten Endes höher sei. Kaiser Franz Joseph habe seine Zustimmung
mündlich und Erzherzog Franz Karl schriftlich erteilt.1096 Letzterer merkt
in seiner Stellungnahme an: „Besitzt Dr. Waelti jene vorzüglichen Eigen-
schaften, und wissentliche Bildung, welche ihm Graf Crenneville bezeugt,
so dürfte wohl die sonst zweckdienliche Ausschreibung des zu kreirenden
Postens und die dadurch ermöglichte Auswahl unter mehreren Kompeten-
ten gänzlich überflüssig sein“.1097 Daraufhin führt Ferdinand am 23. Jänner
1867 „für vorübergehende Zeit“ den entsprechenden Posten ein und vergibt
diesen an Waelty mit dem vorgeschlagenen Gehalt, jedoch höherem Quar-
tiergeld (315 fl.), so wie es auch die Skriptoren seit 1. April 1863 bezogen.
1094 Wien, ÖStA, HHStA, Kabinettskanzlei, Direktionsakten, Kt. 6, 9–1871.
1095 Waelty wird den Taufmatriken der Stadtpfarre Feldkirch zufolge am 10.11.1813 als Sohn
des Maurermeisters Josef Waelty geboren. Feldkirch, Stadtpfarrkirche, Taufbuch 1784–
1863, pag. 308f.
1096 Wien, ÖStA, HHStA, Kabinettskanzlei, Direktionsakten, Kt. 6, 9–1871, Schreiben vom
17.01.1867.
1097 Ebenda, Schreiben vom 16.01.1867.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken