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ANHANG 411
falt zugewendet, was sich wol [sic] mit dem Ausfall an materiellen Mitteln
entschuldigen lässt. Man beschränkte sich beim Ankauf auf wenige größere
Werke und pflegte, so weit sie Österreich betrafen, mehr die Specialkar-
ten, von ausländi[pag. 29]schen Erzeugnissen meist Generalkarten. Leider
wurde dabei wenig öconomisch verfahren, indem man z B. für die Publi-
cationen des k k österreichischen General-Quartiermeisterstabes, die für
ein gutes Wort unentgeltlich wären zu haben gewesen, den um den Rabatt
vergrößerten Kunsthändlerpreis zahlte. Dass auf den wissenschaftlichen
Wert der Erzeugnisse oder auf die Ergebnisse der fortschreitenden Erfor-
schung einzelner Erdtheile dabei besonders Rücksicht genommen worden
wäre, kann ich nicht bemerken. Gegenüber der spärlich vertretenen neuern
[sic] Literatur ist die Sammlung an älteren wichtigen Kartenwerken reich
und insofern für die Wissenschaft bedeutsam. Bei dem ältern [sic] Theile
der Kartensammlung wurde auf die Adjustierung viel Sorgfalt verwendet.
Die Karten sind, wo mehrere zusammengehören, in einen [sic] bequemen
Band vereinigt, oder einzeln auf Leinwand gezogen und in einem Schuber
verwahrt. Das lässt sich von den neu angekauften Karten nicht sagen. Ich
fand sie in den für sie bestimmten Räumen theils zusammengerollt, theils
ohne weitern [sic] Schutz gegen den unabwendbaren Staub aufeinanderge-
legt, was höchstens durch die Meinung zu entschuldigen wäre, dass sie zum
Handgebrauche nicht benutzt worden, aber vom bibliothekarischen Stand-
puncte nicht statthaft ist. Um an der Kartensammlung, wie sie jetzt besteht,
die mangelnde Adjustierung nachzuholen, wird ein Betrag von 500 fl. für
Buchbinderarbeit kaum hinreichen. Und dennoch muss ich im Interesse
[pag. 30] der Ordnung und Nettigkeit, die namentlich eine kaiserliche Fa-
milienbibliothek zeigen soll, einen großen Wert darauf legen, dass diesem
Übelstand in der kürzesten Zeit begegnet wird.
Die Kunstsammlung
Abgesehen von den zahlreichen und großentheils wertvollen Illustrationen,
welche die Familienbibliothek innerhalb ihrer aufgestellten Bände ent-
hält – es sind die vorzüglichsten Gemäldegallerien [sic] durch Nachbildung
in Kupfer- Stahl- oder Steindruck, viele Museen von antiken und modernen
Sculpturwerken in Kupferstich, die schönsten Fresken aus der italienischen
Kunstperiode, die namhaftesten Kunstwerke der Architectur und einzelne
Werke berühmter Meister in Monographien vertreten – wurde schon seit
Gründung der Bibliothek die Kunst in einzelnen Richtungen besonders ge-
pflegt, so dass die Sammlung nach jeder Richtung in der Folge der Zeit, na-
mentlich durch die besondere Vorliebe weiland Seiner Majestät des Kaisers
Franz eine größere Ausbreitung und – man kann sagen – eine selbständige
Bedeutung erhielt. So entwickelte sich allmählich die mit der Bibliothek ver-
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken