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KAISERLICHES INSTITUT UND ERINNERUNGSRAUM
Die k. (u.) k. Familien-Fideikommissbibliothek 1878–1914
Rainer Valenta
Vorbemerkung
Der rund dreieinhalb Jahrzehnte umfassende Zeitraum vor dem Ersten
Weltkrieg, der im nachfolgenden Beitrag untersucht werden soll, war wohl
die vielgestaltigste und entwicklungsreichste Periode, die die zur Familien-
Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen vereinigten
Sammlungen durchlaufen haben. Während dieser Zeit hat sich der Prozess
der Institutionalisierung der Bibliothek intensiviert und er war damals in
gewisser Weise auch zum Abschluss gelangt. Es ist immer schwierig, die
Komplexität solcher Vorgänge mit wenigen Punkten zu erfassen, doch als
wichtigste Aspekte der Transformation können zweifellos die Verankerung
im System der Verwaltungs- und Kulturinstitutionen der Monarchie, die
Partizipation am kulturellen Leben der Epoche und die „Erfindung“ der ei-
genen Identität als Ort des kulturellen Gedächtnisses der Herrscherdynastie
und der Monarchie genannt werden. Um einen häufig benutzten Ausdruck
für die Zeitspanne rund um die Jahrhundertwende zu verwenden, deren
ebenso dekadente wie kulturell reichhaltige und faszinierende Züge nicht
allein den äußeren Rahmen für unsere Erzählung abgeben, sondern sich im
Mikrokosmos der Sammlung gleichsam objektivieren, könnte man sagen:
Die Zeit von 1878 bis 1914 war die Belle Époque der Fideikommissbibliothek.
Die zeitlichen Grenzen meines Beitrages werden durch die Übergabe des
Fideikommisses an Kaiser Franz Joseph und den Ausbruch des Ersten Welt-
krieges markiert. Wie so oft lastet einer solchen Periodisierung ein gewisses
Maß an Willkür an. Der Zeitabschnitt besitzt zwar aufgrund von spezifi-
schen Phänomenen und Entwicklungen einen sehr eigentümlichen Charak-
ter, der ihn von den Perioden davor und danach deutlich absetzt; doch die
Übergänge sind freilich fließend oder sie vollziehen sich wenigstens in meh-
reren zeitlich und sachlich trennbaren Schritten. Mit dem gleichen Recht
hätte man den Amtsantritt von Bibliotheksdirektor Becker (1869) aufgrund
des damit einhergehenden Schubes an Innovationen an den Beginn und den
Tod des Kaisers oder gar den Untergang der Monarchie an das Ende setzen
können. Aufgrund des enormen Umfangs an Quellenmaterial und Themen
und der daraus resultierenden Komplexität der Entwicklung, war es jedoch
geboten, den zeitlichen Rahmen einzuschränken. Dennoch war es notwen-
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken