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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM506
Veröffentlichung derselben im k. k. Amtsblatte.“247 Ob und wie man in der
Fideikommissbibliothek auf diese Intervention reagierte, ist nicht bekannt.
Im Dezember 1900 hatte sich dann Guido Krafft, Professor an der Techni-
schen Hochschule in Wien, gar darüber beschwert, dass nur der erste seines
aus vier Bänden bestehenden „Lehrbuches der Landwirtschaft“ in der „Wie-
ner Zeitung“ genannt wurde, obwohl das Werk als Ganzes vom Kaiser an-
genommen worden war. Karpf begründete den Fehler damit, dass aus dem
ersten Band versehentlich nur dessen Titel und nicht jener des Gesamtwer-
kes exzerpiert worden war.248 Auch zwei Briefe, die die Redaktion der „Wie-
ner Zeitung“ in der fraglichen Angelegenheit an die Fideikommissbibliothek
richtete, belegen, dass Autoren auf Veröffentlichung des Umstandes der „An-
nahme“ ihrer Werke in dem Medium mit Nachdruck drängten.249 Erwähnt
seien an dieser Stelle noch zwei Anfragen von Autoren, die sich die Auszeich-
nung der „Annahme“ vom Bibliotheksleiter gewissermaßen beglaubigen lie-
ßen. Bereits im November 1882 bat Rittmeister Amon von Treuenfest Be-
cker um eine schriftliche Bestätigung der „Annahme“ der sieben, von ihm
verfassten Regimentsgeschichten durch den Kaiser, um sie dem Kommando
des Arcièren-Leibgarde-Regimentes vorzulegen. Wie er in seinem Schreiben
an den Bibliotheksdirektor betont, war „die allergnädigste Annahme […] für
jeden Unterthan, aber insbesondere für einen Officier der k. k. Armee eine
hervorragende Auszeichnung, welche in seine Qualifikation aufgenommen
werden muß.“250 Und im Jahr 1902 wandte sich Karl Uhlirz an Alois Karpf
mit der Frage, ob das von ihm bearbeitete zweibändige „Verzeichnis der Ori-
ginalurkunden des Städtischen Archives“ dem Kaiser zur „Annahme“ vorge-
legt worden wäre. Der Ausschuss des Alterthumsvereines hätte dies geplant,
Uhlirz konnte sein Werk jedoch in den Verzeichnissen der „Wiener Zeitung“
nach eigener Aussage nicht finden.251
Die geschilderten Fallbeispiele machen deutlich, dass das Ritual der „An-
nahme“ eine ähnliche Funktion hatte wie öffentlich ausgeschriebene Preise
und Ehrungen. Natürlich spielte wie bei diesen die Qualität des vorgelegten
Werkes eine wichtige Rolle; es gab aber offensichtlich noch andere Gründe
für die Gewährung der „Auszeichnung“. Die Persönlichkeit des Autors, vor
allem aber seine Loyalität gegenüber dem Kaiserhaus waren jedenfalls wich-
247 FKBA35014, fol. 1r.
248 FKBA36054.
249 FKBA39098, fol. 3v, und FKBA43036.
250 FKBA30073, fol. 2r. Treuenfest begründet sein Ansuchen mit dem Argument, dass „die
Publikation in der Wiener-Abendpost [i. e. der „Wiener Zeitung“] den Herrn Vorgesetzten
nicht dienstlich vorgelegt wird“.
251 FKBA36119. Auch hier lassen sich mangels Unkenntnis der Antwort von Karpf weder der
Tatbestand noch die Ursachen rekonstruieren.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken