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BIBLIOTHEKSGESCHICHTE 567
die Generaldirektion, aus dem oben zitiert wurde, und zwei verschiedene
Entwürfe von Arbeitsprogrammen für die Revision aus der Feder Jureczeks,
von denen der eine mit „März 1907“ datiert ist.515 Die andere Schrift trägt
keine Unterschrift und kein Datum, ist aber zweifellos zeitnah zur ersten
entstanden, vermutlich etwas später, da sie umfangreicher und detaillierter
ist.516 Sie ist außerdem besser strukturiert als der datierte Entwurf, dessen
Aufbau und Formulierungen sie nicht folgt. Beide Texte enthalten zahlrei-
che wichtige Informationen über die Besonderheiten der Verluste und Zu-
wächse der Porträt- und der Kunstsammlung, über die Struktur ihrer Zu-
sammensetzung, den Stand ihrer Erschließung und die Maßnahmen, die
unter Becker und dessen Nachfolgern bezüglich Revision, Katalogisierung
und Neu-Strukturierung dieser Bestände gesetzt wurden. Sie wurden des-
halb in den bisherigen Ausführungen zur Rekonstruktion der Geschichte der
Katalogisierung der Porträt- und der Kunstsammlung der Fideikommiss-
bibliothek bereits ausführlich ausgewertet. Besonders aufschlussreich ist die
undatierte Schrift; sie enthält unter anderem eine umfassende Aufstellung
der Teilbestände der Kunstsammlung und der zu diesen vorhandenen Ka-
talogen.517 Darauf folgt eine Liste von Kommentaren, in denen die Vorge-
hensweise bei der Revision und die Erstellung neuer Inventare bezüglich der
einzelnen Bestände erörtert wird.518 Da sich diese Vorschläge ausdrücklich
an eine Kommission richteten, ist davon auszugehen, dass eine Inventar-Re-
vision im Stile jener von 1836–1859 geplant war.
Das Projekt wurde damals aber anscheinend nur Sammlungs-intern ins
Auge gefasst und kam über das Stadium der Planung offenbar nicht hinaus.
Reinschriften von Schnürers Bericht und Jureczeks Arbeitsprogrammen
waren in den Akten der Generaldirektion nicht auffindbar.519 Es gibt auch
keine Anzeichen dafür, dass die Revision tatsächlich in die Wege geleitet
oder nach der Übersiedlung von 1908 wieder aufgegriffen wurde. Bekannt
515 „Darlegung der Gründe für eine Revision der Porträt- und Kunstsammlung und der da-
bei empfohlenen Vorgehensweise durch Kustos Johann Jureczek, Wien, März 1907“
(FKBA37180, fol. 3r–8v).
516 „Erläuterungen anlässlich der etwaig vorzunehmenden Revision“ (FKBA37180, fol. 9r–14v).
517 FKBA37180, fol. 10r–v.
518 FKBA37180, fol. 11v–12v.
519 Ein Zettel mit einer Notiz, der dem Aktenkonvolut im Archiv der Fideikommissbibliothek
beigegeben ist, gibt außerdem darüber Auskunft, dass dieses aus dem „Nachlass“ von Ernst
Hefel von dessen Tochter Annemarie Schweeger-Hefel am 05.05.1969 an die Sammlung
retourniert wurde. Ernst Hefel war 1912–1921 in der Fideikommissbibliothek beschäftigt
und starb 1974 (vgl. Abschnitt 1.2.2). Da er in erster Ehe mit einer Tochter von Schnürer
verehelicht war, war Annemarie Schweeger-Hefel zugleich dessen Enkelin. Die Notiz über
die Rückgabe des Aktes stammt von Wilfried Slama († 2017), mit dem der Autor des vorlie-
genden Beitrages persönlich bekannt war.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken