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BIBLIOTHEKSGESCHICHTE 591
chitekt des Baus der Neuen Burg.602 Er war anscheinend sehr interessiert
und engagiert, was die museale Nutzung der Fideikommissbibliothek und
ihrer neuen Räumlichkeiten betrifft, und informierte sich in der Sammlung
über die auszustellenden Objekte, „um darnach bezüglich der Felder-Ein-
theilung und Ausschmückung der Wände u. dgl. Vorsorge zu treffen.“603 In
dem genannten Bericht geht es hauptsächlich um den Einbau der Biblio-
thekskästen des Karmeliterklosters in der Leopoldstadt aus der Zeit Leo-
polds II., deren Erwerbung damals geplant war, welcher dann aber doch
nicht zustande gekommen ist. Laut Schnürer hätte dadurch „die erste von
Eurer Excellenz genehmigte Anordnung der Räumlichkeiten“ geändert
werden müssen, womit zweifellos der oben erwähnte „Entwurf einer Ein-
theilung und Anordnung dieser Räume“ gemeint ist. Geplant war nun ein
quadratischer Saal, dessen Wände von den Kästen aus dem Karmeliter-
kloster vollständig verkleidet worden wären. Letztere sollten dann mit Bü-
chern mit dekorativen Einbänden aus dem 18. Jahrhundert befüllt werden,
die die Bibliothek in großen Mengen besitzt. Ohmann wurde von Schnürer
gebeten, „einen in kleinerem Maßstabe gehaltenen, recht übersichtlichen
Grundriss der für die Fideicommiss-Bibliothek in der neuen Hofburg vorge-
sehenen Räumlichkeiten auszuarbeiten“; der Architekt selbst beabsichtigte
zudem, ein „Phantasiegemälde anzufertigen, wie sich etwa das Innere der
Sammlung in den Schausälen der Parterre-Räume vielleicht einmal prä-
sentieren werde“. – Am 9. Dezember 1901 erbat sich Schnürer von Cher-
tek die Erlaubnis, Objekte aus der Sammlung für das Habsburgermuseum
aussondern zu dürfen. Diese sollten dann im kommenden Frühjahr in die
Parterre- und Souterrain-Räumlichkeiten des Corps de logis transferiert
werden, die nach der Zusicherung Ohmanns bis dahin fertiggestellt wä-
ren.604 Wir wissen leider nicht, wie Chertek auf das Verhalten Schnürers
reagierte, da kein schriftliches Material darüber vorhanden ist. Das ist
auch grundsätzlich im Hinblick auf die geplante Übersiedlung bis Mitte
des Jahres 1902 der Fall, und vermutlich hat sich bis dahin auch nichts
Wesentliches ereignet. Zu erwähnen ist lediglich der auch von der General-
direktion approbierte Vortrag, mit dem der Obersthofmeister dem Kaiser
am 28. Februar 1902 Bericht über die neuen Pläne zur Unterbringung der
Fideikommissbibliothek erstattete. Sie wurden am 15. März 1902 von die-
sem genehmigt und damit die im kaiserlichen Handschreiben vom 30. Ap-
602 Siehe zur Bauphase der Neuen Burg unter Ohmann Nierhaus, Ohmann.
603 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, S.R., Kt. 17,2, Z. 1986 ex. 1901. Bericht Schnürers an die
Generaldirektion vom 04.05.1901; daraus auch die folgenden Zitate.
604 Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF, S.R., Kt. 17,2, Z. 3294 ex. 1899: Bericht Schnürers vom
09.12.1901.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken