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KAISERLICHES INSTITUT UND
ERINNERUNGSRAUM624
geschickt715 und das scheint für eine Legefläche von 70 m2 doch zu wenig
gewesen zu sein. Die Leihobjekte wurden am 7. August nach Graz und am
9. Oktober wieder zurück nach Wien gesendet.716 Am 10. Jänner 1881 erhielt
Becker einen Brief vom „General-Comité der Landes-Ausstellung in Graz
1880“, mit dem ihm für seine Mitwirkung „zu dem erfreulichen Gelingen der
Ausstellung“ offi
ziell gedankt wurde. Auch in diesem Schreiben wird darauf
hingewiesen, dass die Huldigungsadressen – „ein wesentlicher Anziehungs-
punkt“ – „durch ihre gediegene und geschmackvolle Ausführung dem Kreise
der Kunst
industriellen vielfache Belehrung boten.“717
In diesen Zusammenhang gehört schließlich noch eine letzte Episode.
Mitte Oktober 1880 wandte sich das Kuratorium des Mährischen Gewerbe-
museums an das Oberstkämmereramt mit dem Ansuchen, „daß die dermal in
Graz auf der Ausstellung befindlichen dem allerhöchsten Kaiserhause gehö-
rigen Adreß-Enveloppen auf die Dauer von vier Wochen dem Mähr. Gewer-
be-Museum zur Ausstellung überlassen werden.“718 Anscheinend beobachtet
man hier den gleichen Domino-Effekt, wie zuvor konstatiert: Der Anstoß zur
Durchführung einer spezifischen Objektschau geht von der Wahrnehmung
einer gleichartigen, bereits realisierten Ausstellung aus. Die Motive des Mu-
seums sind die altbekannten, nämlich „durch Vorführung mustergiltiger Vor-
bilder die Geschmacksbildung im Allgemeinen zu fördern, insbesondere aber
das Kunsthandwerk auf diesem Wege zur Nachahmung und zum Fortschritt
anzueifern“.719 Laut eigener Einschätzung „war es namentlich die Buchbinde-
rei und Galanteriewarenerzeugung, auf welche das Mähr. Gewerbe-Museum
durch diesen Vorgang einen wohlthätigen Einfluß äußerte.“720 Erwähnt wird
in diesem Zusammenhang, dass sich der vom mährischen Buchbinder Bela
Tillmann hergestellte Enveloppe der Huldigungsadresse der Stadt Brünn
„unter den wenigen für die Buchbinder-Ausstellung im k. k. oesterr. Museum
ausgestellten Gegenständen dieser Art befand.“721
In diesem Fall war dem Antrag jedoch kein Erfolg beschieden. Becker mo-
nierte in seinem Vortrag an die Kabinettskanzlei im Hinblick auf die beiden
bereits durchgeführten Ausstellungen, dass die Fideikommissbibliothek die
Kosten für die Überstellung der Huldigungsadressen nach Graz zu tragen
hatte und dass beim Transport Schäden an den Objekten entstanden wären,
715 Ebenda, fol. 12r–v.
716 Ebenda, fol. 11r und 14r.
717 Ebenda, fol. 18r–v.
718 FKBA29077, fol. 1v.
719 Ebenda, fol. 1r.
720 Ebenda.
721 Ebenda, fol. 1v.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken