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BIBLIOTHEK UND ÖFFENTLICHKEIT 673
stellung von Karten und Plänen der Geographie rund um Budapest und den
Schlossberg entgegenbrachte, mit seinen früheren Arbeiten zur Katalogisie-
rung von Landkarten und Geographica und der damit in Verbindung stehen-
den Mitgliedschaft in der k. k. geographischen Gesellschaft zusammen.882
Nicht verschwiegen werden soll schließlich, dass die an sich bereits offen
propagandistische Ausrichtung der Veranstaltung Karpf Anlass zu Bemer-
kungen gab, die aus heutiger Sicht ideologisch völlig voreingenommen er-
scheinen, vermutlich aber den damals üblichen Klischeevorstellungen ent-
sprachen.883 So wäre etwa „am 2. September 1686 […] die Festung Ofen […]
von dem türkischen Joch, unter welchem sie 145 Jahre schmachtete, befreit“
worden. Die Ausstellung wäre ein Ausdruck der „Dankbarkeit und Vereh-
rung für die Helden, welchen die christliche Cultur einen der bedeutends-
ten Siege über die heidnische Barbarei verdankt“. Und die Milde Leopolds I.
stünde der Grausamkeit des Sultans gegenüber, der alle Heerführer, die ver-
sagten, strangulieren hätte lassen.884
Zehn Jahre später gab es für Karpf einen weiteren interessanten Anlass be-
deutende und umfangreiche Bestände der Fideikommissbibliothek bei einer
Ausstellung zu präsentieren und damit die Sammlung als solche in der Öf-
fentlichkeit gewissermaßen zu „positionieren“. Die Gelegenheit dafür musste
nun umso günstiger erscheinen, als Karpf inzwischen selbst zum Leiter der
Bibliothek aufgestiegen war.
Gemeint ist die „Wiener-Congress-Ausstellung“, die für die Monate Jän-
ner bis Mai des Jahres 1896 im Österreichischen Museum für Kunst und
Industrie geplant war. Sie wurde jedoch nicht von diesem Haus selbst, son-
dern von einem eigens zu diesem Zweck gegründeten Veranstaltungskomi-
tee ausgerichtet, dem der Oberstjägermeister Hugo Graf Abensberg-Traun
vorstand. Einen analogen Fall hatte es bereits acht Jahre früher mit der
Maria-Theresia-Ausstellung gegeben, an der die Fideikommissbibliothek
ebenfalls, und zwar mit zwölf Porträtgrafiken und drei gedruckten Erbhul-
digungsberichten, beteiligt gewesen war.885 Für das Thema „Wiener Kon-
gress“ hatten die Bestände der Sammlung aber ungleich mehr zu bieten;
ja man kann sogar sagen, dass sie geradezu prädestiniert dafür waren, das
882 FKBA31070, fol. 122r–124r (p. 4–6).
883 Ähnliche Einstellungen finden wir bei Quirin Leitner 1864 anlässlich der Ausstattung des
Vestibüls im Heeresmuseum (vgl. Telesko, Hofburg, 434).
884 FKBA31070, fol. 121r (p. 1), 122r–123r (p. 2–4) u. 128r (p.10). Die Formulierungen, die Karpf
hier verwendet, tauchen in nahezu gleichlautender oder paraphrasierter Weise bereits im
Aufruf zur Ausstellungsbeteiligung und in den Artikeln zur Ausstellungseröffnung auf (vgl.
Anm. 869).
885 Vgl. FKBA32017.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken