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BIBLIOTHEK UND ÖFFENTLICHKEIT 693
nicht gebürend [sic!] anerkannt ist, wäre eine Zusammenstellung solcher Er-
innerungen, die sich darauf beziehen und im Besitze Ihrer Bibliothek sind,
äußerst dankbar.“966
Schnürer war nun ein wenig in der Bredouille. Einerseits wollte er zwei-
fellos die Fideikommissbibliothek als das große habsburgische Gegenstück
zu der Ausstellung der Hohenzollern-Bibliotheken präsentieren; anderer-
seits musste er sich dem Gruppenzwang der österreichischen Abteilung un-
terordnen. Diese Ambivalenz kommt deutlich in der Wortwahl jener Eingabe
zum Ausdruck, mit der die Fideikommissbibliothek ihre Ausstellung auf der
„Bugra“ bei der Generaldirektion beantragte, deren Konzept allerdings aus
der Feder von Rudolf Payer von Thurn stammt:
„Dieser Umstand [die Ausstellung der Hohenzollern-Bibliotheken] hat im
Schoße der österreichischen Kommission den begreiflichen Wunsch erregt, der
Hohenzollern-Abteilung, die sich hauptsächlich um die Person Friedrichs des
Großen konzentrieren wird, als Mittelpunkt der österreichischen Abteilung
der Gruppe ‚Bibliophilie‘ eine Darstellung der in weiteren Kreisen bisher so
gut wie unbekannten Sammeltätigkeit Weiland Sr. M. des Kaisers Franz I. an
die Seite zu stellen.“967
Die Ausstellung der Fideikommissbibliothek fand freilich trotz dieser irre-
führenden Formulierung in den Räumlichkeiten des Österreich-Pavillons
statt, wo ihr allerdings nur ein bescheidenes Raumangebot zur Verfügung
stand. Dementsprechend war es geboten, sich auf einige wenige, jedoch
symbolträchtige Objekte zu beschränken.968 Neben einem Exemplar des
gedruckten Kataloges der Bibliothek und Fotografien mit zeitgenössischen
Ansichten der Bibliotheksräume waren dies hauptsächlich Gegenstände, die
die „Erinnerung“ an das Wirken Kaiser Franz’ II./I. evozieren sollten: einige
charakteristische Einbände und Drucke aus seiner Zeit, die eigenhändigen
Katalogisierungsarbeiten des Kaisers und einige Aktenstücke aus dem Jahr
1814, „welche das Interesse und die Fürsorge bekunden, die Kaiser Franz
selbst während der Feldzüge in Frankreich seiner Bibliothek zugewendet
hat“.969 Außerdem sollte ein Porträt des ersten Bibliothekars Peter Thomas
Young und ein Band des von diesem konzipierten und in kalligraphischer
Abschrift ausgeführten systematischen Kataloges970 zur Ausstellung ge-
966 Ebenda, fo. 12r–v.
967 Ebenda, fol. 13v.
968 Ebenda, fol. 14r–v; daraus die nachfolgenden Zitate.
969 Es handelt sich um die Akten FKBA01033 u. FKBA01038–FKBA01044.
970 Zu diesem siehe Huber-Frischeis/Knieling/Valenta, Privatbibliothek, 378–385.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken