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DIE „K. U. K. FAMILIEN-FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK“ IM ERSTEN WELTKRIEG 953
die Angestellten in der Weihnachtszeit erhielten. Davon konnte ein Großteil
der Wiener Bevölkerung nur träumen. Doch diese Bezugsquelle durfte auch
nicht über Gebühr beansprucht werden. Payer von Thurn stellte im April
1917 das Ansuchen, seine Familie und jene von Bibliotheksdiener Eigenber-
ger mit „je 2 [korrigiert aus: „einem“] Litern Milch täglich aus der Meierei
des Allerhöchsten Fondsgutes Esslingen zu bewilligen [und zwar mit der Be-
gründung, dass] es unter den heutigen Verhältnissen nahezu unmöglich ist,
auf privatem Wege Milch zu erhalten“.123“ Das Ansuchen wird jedoch mit der
Begründung abgelehnt, dass „die Menge der an die Fondsangestellten in Wien
aus dem genannten Hofe bis auf Weiteres zur Lieferung gelangende Milch
durch eine derzeit unabänderliche Abmachung mit dem Ernährungsamte der
k. k. n.ö. Statthalterei im gegenwärtigen Ausmasse ihre Begrenzung findet.“124
Aufschluss über den Zugang zu Mahlzeiten bei Hof bietet auch ein Akt,
in dem die Hofmenage-Kommission aufgrund des großen Andrangs die Ver-
legung der Hofküchenausspeisung in der Kriegsküche der Theaterbediens-
teten berichtet. Dort könne man „um den Betrag von 1 K 20 h eine befriedi-
gende Mittagskost erhalten“.125
Generell erhielten die Angestellten der Fideikommissbibliothek über den
Kriegskonsumverein für Hofbeamte einen vereinfachten Zugang zu Grund-
nahrungsmitteln wie Brot und Mehl, aber auch vieles andere.126 Auf den
Punkt gebracht wird der Zugang der Bibliotheksangestellten zu Lebensmit-
teln und Essen in einem Kommentar in Hanny Brentanos Autobiografie:
„Ein sehr prosaischer, aber in der Zeit der Kriegsnot nicht zu unterschätzen-
der Vorteil meiner Anstellung war die Versorgung mit Lebensmitteln, Heiz-
material und sogar Kleidungstücken durch den Kriegskonsumverein der Hof-
beamten, eine Annehmlichkeit, die mich vor den drückenden Sorgen anderer
Frauen schützte und mir immer noch das Ausüben einer wenn auch beschei-
denen Gastfreundschaft und Hilfeleistung ermöglichte.“127
Zu diesem umfassenden Service zählte auch die alljährliche Ausgabe von
Trinkgeldern für die Angestellten der Fideikommissbibliothek sowie für Per-
sonen, die regelmäßig Arbeiten für die Fideikommissbibliothek durchführ-
ten. Dabei handelte es sich um Brief- und Paketträger, Diener von ande-
123 FKBA45018, fol. 1r.
124 FKBA45018, fol. 1v bzw. Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF J.R., Rubr. 5 Fideikommissbibliothek
541, 1187/1917, fol. 1r.
125 FKBA46023 1v.
126 Wien, ÖNB, BAG, EZ 3040, Nachlass Franz Schnürer, Box 26, Korrespondenz von Hanny
Brentano, Wien, 06.02.1919, fol. 1r.
127 Brentano, Gott, 291.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken