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DIE FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK
1914–1919968
Überreichung eines dazu passenden Etuis mit einer persönlichen Widmung
des Künstlers F. L. Jacobsohn ließ der Kaiser lediglich den allerhöchsten
Dank übermitteln.191
Skeptisch waren die Beamten der Fideikommissbibliothek gegenüber an-
gebotenen Kunstobjekten mit Bezug zu Mitgliedern des Kaiserhauses. Der
Butter-, Eier- und Geflügelhändler A. Migeon aus Nancy hatte beispiels-
weise Kinderwäsche des Herzogs von Reichsstadt eingesandt und auf eine
finanzielle Vergütung gehofft. Doch das Angebot wurde mit der Begründung
abgewiesen, dass die Authentizität des Objekts nicht nachweisbar sei und
derlei Sammlungsgegenstände nicht in die Fideikommissbibliothek gehör-
ten.192 Auf einen von Thérese de Georgé aus Freistadt angebotenen Kinder-
schuh von Maria Theresia erfolgte ein ebenso negativer Bescheid. Doch wäre
es falsch, grundsätzlich von ablehnenden Antworten auszugehen: Nachdem
die Reservistenfrau Therese Schauer die Fotografie „Franz Joseph I. im
Kreise seiner Brüder“ überreicht hatte, sprach sich Franz Schnürer für die
Anschaffung aus, da seinem Urteil nach sogar die Positive von Angerer &
Göschl einen gewissen Seltenheitswert haben. Darüber hinaus entsprach die
Fotografie dem Sammelauftrag der Fideikommissbibliothek.193
1.2.6 Entlehnungen und Reproduktionen
Die kaiserliche Fideikommissbibliothek wurde bis zum Ende der Monar-
chie als Familienbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen angesehen.
Dennoch hatte es in den Kriegsjahren von Seiten der Kaiserfamilie keinen
Einfluss auf die Bucherwerbungen der Fideikommissbibliothek gegeben,
was ebenso auf die Entlehnungen zutraf. Dies ist anhand des Ausleihjour-
nals194 ersichtlich, welches seit 1885 geführt wurde und jedes entlehnte
Werk und die Person verzeichnet, die es bis zur ebenfalls vermerkten Rück-
gabe erhielt. In den Kriegsjahren hatte, mit Ausnahme einer Entlehnung
von Springers „Handbuch der Kunstgeschichte“ von Marie Valerie im Jahr
1916, einzig Kaiserin Zita Werke entlehnt. Im Juli 1918 erhielt „Ihre Majes-
tät“ Werke195 mit edierten Briefwechseln bzw. Biografien der Kinder Maria
191 FKBA43025 fol. 3r.
192 FKBA42008.
193 FKBA45009.
194 FKB.INV.64. Zur Analyse der Zeit bis 1914 vgl. den Abschnitt 2.2 von Rainer Valenta.
195 Folgende Biografien wurden entlehnt: Alfred von Arneth, Mathieu Auguste Geffroy (Hg.),
Marie-Antoinette. Correspondance secrète entre Marie-Thérèse et le Comte de Mercy-Ar-
genteau avec les lettres de Marie-Thérèse et de Marie-Antoinette, 3 Bde. (Paris 1874)
[FERD 2291]; Alfred von Arneth (Hg.), Marie Antoinette, Joseph II. und Leopold II. Ihr
Briefwechsel (Leipzig/Paris/Wien 1866) [FRANZ 31451]; Adam Wolf, Marie Christine. Erz-
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken