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DIE „K. U. K. FAMILIEN-FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK“ IM ERSTEN WELTKRIEG 973
einer Weisung des Generaldirektors ohne Ausnahme abgewiesen werden.218
Schließlich unternahm Vreese 1916 einen neuerlichen Anlauf, indem er beim
Preußischen Generalgouvernement in Belgien intervenierte, welches sich in
seinem Namen für die Entlehnung oder die Reproduktion der in Frage ste-
henden Handschriften einsetzte. Unter dem preußischen Generalgouverneur
bzw. Generaloberst Moritz von Bissing hatte man die Genter Hochschule in
eine Universität umgewandelt, welche der besonderen Förderung des preu-
ßischen Generals unterlag.219
Auf die vom österreichischen Ministerium des Äußeren übermittelte An-
frage ließ Schnürer in der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt Repro-
duktionen des gesamten Kodex FRANZ 9382 bzw. Incipit und Excipit des
Kodex FRANZ 9390 anfertigen. Auf die Materialkosten in der Höhe von
immerhin 270 K hatte man bei der Übermittelung der Kopien von österrei-
chischer Seite zwar nicht ausdrücklich hingewiesen, als im Dankschreiben
jedoch eine etwaige Vergütung nicht erwähnt wurde, schrieb man schließlich
1917 die Ausgaben unter den Auslagen der Fideikommissbibliothek endgül-
tig ab.220
Die Reproduktion von Bildbeständen der Fideikommissbibliothek stellt,
ebenso wie die Buchentlehnung, ein zweites Standbein der Bibliothek dar.
Die Anzahl der Reproduktionen spiegelt – ähnlich wie die der Buchentleh-
nungen – den Rückgang an Aufträgen in den Kriegsjahren wider. Das 1912
begonnene Protokollbuch der Reproduktionen221 veranschaulicht, wie die
Anzahl der Reproduktionen nach einem beträchtlichen Anstieg in den Jah-
ren vor dem Weltkrieg bereits im Jahr 1914 einen deutlichen Rückgang er-
fuhr. In den Jahren 1915 bis 1919 fehlen jegliche Eintragungen. Dies scheint
allerdings mehr auf die fehlenden Eintragungen als auf die ausbleibenden
Reproduktionen zurückzuführen zu sein, da in den Akten des Archivs der
Fideikommissbibliothek eine – wenn auch eingeschränkte – Fortführung von
Reproduktionen dokumentiert wird.
Ein kontinuierlicher Anstieg ist ab 1920 festzumachen, der ab 1925
wieder an die Zahlen vor dem Weltkrieg anschließt. Ein bemerkenswer-
ter Aspekt betrifft die Illustration von Schulbüchern. Aus dem Protokoll-
buch wird ersichtlich, dass unmittelbar vor, während und nach dem Ersten
Weltkrieg in regelmäßigen Abständen Reproduktionen von Bildnissen und
218 FKBA39067.
219 Zu Moritz Ferdinand Bissing vgl. den biografischen Eintrag von Christoph Roolf und Tho-
mas L. Gertzen in der International Encyclopedia of the First World War, http://dx.doi.
org/10.15463/ie1418.10382 (abgerufen am 30.01.2021).
220 FKBA44048 bzw. Wien, ÖStA, HHStA, GdPFF J.R., Rubr. 5 Fideikommissbibliothek 541,
3065/1916.
221 Wien, ÖNB, BAG, FKB.INV.31.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken