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DIE „K. U. K. FAMILIEN-FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK“ IM ERSTEN WELTKRIEG 979
Mit dem Abtransport hatte man schließlich bis zum Verstreichen der 10-jäh-
rigen Schutzfrist abgewartet, auf welche sich Jaroslav Helfert – mittlerweile
Sekretär des Mährischen Landesmuseums – in seinem Schreiben vom März
1920 bezog. Er verfügte im Namen aller Erben den baldigen Abtransport
von 31 Kisten Korrespondenz und der „Sammlung Helfert“.244 Offensichtlich
hätte der Abtransport der Sammlung Helfert durch den neuen Eigentümer
stattfinden sollen. Nachdem sich kein Käufer gefunden hatte, wurde der
Nachlass am 1. Juni 1920 der Familie Helfert in Brünn überstellt.245
Der Nachlass von Josef Alexander von Helfert, der auch dessen Tagebü-
cher enthält, befindet sich heute im Mährischen Landesarchiv in Brünn.246
Die „Sammlung Helfert“ ging 1927 an das Marx-Engls-Institut in Moskau.247
Im Gegensatz zum Nachlass Helferts ließ man in einem anderen Fall we-
niger Vorsicht bei den rechtlichen Vorkehrungen für die Verwahrung von
Privatsammlungen walten. 1920 musste sich die Fideikommissbibliothek
gegenüber Ansprüchen der Witwe des Kupferstechers und Kustos der Fidei-
kommissbibliothek, Karl Borromäus Post, Maria Theresia Post, rechtferti-
gen, welche
„um die Rückstellung einer vollständigen Sammlung der Kupferstiche ihres
Gatten (72 Blätter) sowie des Pausinger’schen Jagdalbums, welche sie angeb-
lich im Jahre 1877 nach dem Ableben ihres Gatten auf Wunsch des Bibliotheks-
direktors Hofrate Becker der Bibliothek ‚ohne Bezahlung übergeben um diese
nirgends vorhandene Sammlung sicher aufzubewahren und Studienzwecken
zugänglich zu machen‘.“248
In der Bibliothek herrschte ob eines derart weit zurückliegenden Ereignisses
große Verwirrung. Keiner der aktiven Beamten hatte seine Arbeit bereits
1877 in der Fideikommissbibliothek verrichtet. Daher wandte sich Payer von
Thurn als Direktor und Nachfolger Schnürers an seinen pensionierten Kol-
legen, der zwar selbst erst 1884 in die Fideikommissbibliothek eingetreten
war und daher angab, er habe von der Angelegenheit
244 FKBA46039, fol. 4r.
245 FKBA46039, fol. 12r–13r.
246 Moravský zemský archiv v Brně, G 44, Helfertovi (1812–1910).
247 Die „Sammlung Helfert“ mit ihren 5.000 Büchern, mehr als 10.000 Flugblättern bzw. mit
einem Bestand an themenrelevanten Zeitungsartikeln wurde 1927 durch das Marx-En-
gels-Institut in Moskau erworben. Vgl. Schiller, Marx-Engels-Institut, 421.
248 FKBA47009.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken