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DIE „K. U. K. FAMILIEN-FIDEIKOMMISSBIBLIOTHEK“ IM ERSTEN WELTKRIEG 987
in allen Bildmedien.277 Beim Kriegspressequartier handelt es sich also um
„Öster
reich-Ungarns zentrale militärische Propagandaeinrichtung während
des Ersten Weltkrieges“.278 Das KPQ beschäftigte nicht nur Journalisten und
Schriftsteller, sondern auch Kriegsmaler, -bildhauer und -fotografen, die
das Geschehen an der Front dokumentierten. Diese wurde als eine eigene
„Kunstgruppe“ innerhalb des Kriegspressequartiers zusammengefasst, de-
ren Mitglieder die visuelle Darstellung des Krieges als Teil der patriotischen
Kriegspropaganda zur Aufgabe hatten und eine von der Obrigkeit gewollte
Wirklichkeit „konstruierten“ sollten.279
Auch die Druckgrafik spielte nach wie vor eine Rolle in der bildhaften
Konstruktion des Kriegs. Noch im Vorwort der „Kriegsgraphik- und Repro-
duktionen-Ausstellung“ des Jahres 1918 wird die Verwendung der Druck-
grafik folgendermaßen begründet:
„In der Darstellung des Krieges durch die Künstler offenbaren sich die geisti-
gen und politischen Auffassungen, lassen sich die Kriegsziele der verschiede-
nen Völker erkennen. Die Gedankenrichtung der Ministerreden, die Sprache
der Armeebefehle beben in den Gestaltungen nach, die der Künstler im Felde
entwirft. […] Haß, Rachegefühl, Machtwille und Ruhmsucht kommen in der
Kunst jener Völker zum Ausdruck, die diese Gefühle schon aus dem ohnmäch-
tigen Zorne der Besiegten schöpfen, während eiserner Zwang der einen Ver-
teidigungskrieg führenden Staaten ihrer Kunst sachlichen Ernst, Würde und
Entschlossenheit verleiht.“280
Im Laufe des Kriegs rückte die Fotoberichterstattung stärker in den Fokus
und bestimmte zu Kriegsende die Illustrationen in der Presse. In Deutsch-
land ist die Ausweitung der Bildpropaganda ab dem Jahr 1917 nachweisbar.
Auch im österreichisch-ungarischen Kriegspressequartier wurde eine Licht-
bildstelle ins Leben gerufen.281
„Der Großteil der Fotos wurde von akkreditierten Pressefotografen, die im
Dienst des KPQ standen eingeschickt. Nach der Vorzensur in den armeeeige-
nen ‚Photostellen‘ und einem zweiten Zensurdurchgang im KPQ gelangte ein
277 Popelka, Leichenfeld, 9.
278 Reichel, Kriegspressequartier, 17.
279 Popelka, Leichenfeld, 3. Die sogenannte Kriegsbildergalerie befindet sich heute im Heeres-
geschichtlichen Museum.
280 Oesterreichische und ungarische Kriegsgraphik. Ausstellung veranstaltet vom k. u k.
Kriegspressequartier (Wien 1918) Einführung.
281 Holzer, Bildberichterstattung, 489.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken