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„KEIN RAUM MEHR FÜR IRGENDEINE MONARCHISCHE GEWALT“ 1013
transferieren ließ, versuchte man von Seiten des Staatsamts für Äußeres,
Klarheit über die Provenienzgeschichte der Sammlungsobjekte zu erlangen;
Ludwig Bittner gab Payer-Thurn bekannt, dass im Estensischen Archiv
keine Informationen über die Verhandlungen zwischen der italienischen Re-
gierung und dem Herzogshaus zu finden seien, insbesondere seien die Pro-
zessschriften des Advokaten Annibale Vandelli nicht auffindbar.405 In einem
weiteren Schreiben wies das Staatsamt darauf hin, dass keine Informatio-
nen zu den Forderungen der italienischen Waffenstillstandskommission an
die Presse weiterzugeben seien.406
Nachdem die italienische Waffenstillstandskommission eine Liste von
geforderten „Kunst- und historischen Gegenständen“407 an das Ministerium
des Äußeren übergeben hatte, sollten die in Frage kommenden Institutionen
Auskunft geben, mit dem Ziel „Material zur Bekämpfung der italienischen
Ansprüche auf der Friedenskonferenz vorbereiten zu lassen, sowie zur Siche-
rung dieser Gegenstände die geeigneten Maßnahmen zu treffen“.408
Payer-Thurn bemerkt zur Estensischen Bibliothek Folgendes:
„In hierortiger Verwahrung befindet sich lediglich di sogenannte Estensische
Bibliothek. Dieselbe kann jedoch meines Erachtens nicht unter die im Schluss-
absatze des Elenco I angesprochenen „Oggetti di bibliografia […] che abusiva-
mente l’Arciduca Francesco V portò via da istituti pubblici di Modena nel 1859“
subsumiert werden, da sie nicht aus den öffentlichen Bibliotheken Modenas,
sondern aus dem Schlosse Cataio stammt, das unzweifelhaft ein Privateigen-
tum Seiner Majestät bildet.“409
Nachdem Sammlungsobjekte aus den Estensischen Sammlungen einen
wichtigen Bestandteil der Forderungen der italienischen Waffenstillstands-
kommission ausmachten, waren die Beamten der Fideikommissbibliothek
aktiv an der Argumentation zur Verteidigung der österreichischen Ansprü-
che beteiligt. Es war Bibliothekar Ernst Hefel, der die Schrift „Die Estensi-
schen Sammlungen des Hauses Österreich-Este“ publizierte, deren Druck-
kosten wie bei jener von Friedrich Stritzl-Artstatt von der Dotation der
Fideikommissbibliothek mitgetragen wurden. Der Amalthea Verlag hatte
die Kosten zunächst mit 2.500 K veranschlagt, doch durch die Inflation kos-
405 FKBA46061, fol. 1r. Vgl. Annibale Vandelli, Allegazione storico-giuridica a difesa del Duca
di Modena nelle cause civili (Turin 1864).
406 FKBA46061, fol. 8r.
407 FKBA46061, fol. 2r–3r.
408 FKBA46061, fol. 1r.
409 FKBA46061, fol. 8r.
Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY 4.0
Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
Metamorphosen einer Sammlung
- Title
- Die Familien-Fideikommissbibliothek des Hauses Habsburg-Lothringen 1835–1918
- Subtitle
- Metamorphosen einer Sammlung
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21308-6
- Size
- 17.4 x 24.5 cm
- Pages
- 1073
- Categories
- Geschichte Chroniken