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und ebenso der Winkel »l,ä und l»l,e ein rechter Winkel ist. käßl
man zwar die untere Seite der Mündung rechtwinklig auf der Mit-
tellinie des Formblattes, d. l). lle senkrecht auf »!i, neigt aber di«
Mündungsftäche gegen das Formblatt, macht der Winkel »I»o un-
ter 99 Grad, so sagt man, die Form ist überfeilt, oder sie hat
ein Unter maul; wird der Winkel »!>c hingegen über 90 Grad
gemacht, so heißt die Form unterfei l t , oder sie hat ein Ober-
maul. Werden dagegen die Formseiten an der Mündung ungleich
lang gemacht, also äe nicht senkrecht auf «k gelassen, so sagt mau,
das Eßcisen ist hinter« oder »orderfeilt, cderhat ein Vorder-
oder Hintermaul/ je nachdem die kürzer gemachte Formseite nach
der hintern oder nach der »ordern Hcrdseite gelehrt ist. Der Erfolg
dieser Abweichungen in der Windführung ist leicht einzusehen; offen^
bar muß sich der Windstrahl bei seinem Eintritt« im Herdraume
nach jener Seite hin am meisten ausdehnen, welche an der Form«
mündung die kürzeste ist. Auch ist begreiflich, daß der Erfolg nicht
ganz derselbe seyn kann, wenn man anstatt der Verkürzung einer
gewissen Seite der Formmündung die Richtung der Formachse nach
dieser Seite dreht; denn durch letzteres Mittel wird wohl die siich»
tung, nicht aber die Erweiterung des Windstrahles geändert. Ein
Vortermaul, d. i. eine Verkürzung der hintern Formscite, ist uns
noch nl« vorgekommen, ein Hintermaul ist dagegen öfters zu tref«
ftn, und sehr gewöhnlich findet man unter-oder übcrftilte Eßeisen;
in Cteiermark und Oesterreich werden bei den Eisenfrischfcuern ge«
wohnlich untcrfeilte, bei den Rohstahlfcuern hingegen überfeilte
Fottneii getroffen. — Viele Hammermeister begnügen sich nicht
mit diesen Modifikationen in der Stellung des Formmaules, son-
dern biegen zugleich den Formrüssel nach ein oder der andern Seite»
Nach hinten «der nach aufwärts kommen diese Biegungen indessen
uicht vor, desto häufiger aber kommt ein Vug nach abwärts vor,
wie bei den meisten Schwallfeucrn zu sehen, und bisweilen trifft
man eine Viegung nach vorwärts. Der Erfolg lieser Viegunge»
ist kein anderer, als daß der Wind sich mehr nach derjenigen Seite
des Herdes begibt, wohin die Viegung weiset, un-d es kann dieses
Mittel nur dann allenfalls entschuldiget werdcn, wenn man sich mit
dem Eßeise» im Formkasten nicht gut nach der gewünschten Seile
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Title
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Subtitle
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Author
- Peter Tunner
- Publisher
- C. Tanzer'schen Schriften
- Location
- Graz
- Date
- 1846
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.09 x 19.47 cm
- Pages
- 540
- Keywords
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen