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Massel unter dem Hammer zu einem Kolben geschmiedet wird, schafft
man gewöhnlich den dritten auf den mittlern Platz, um nun die-
ftn in Hitze zu bringen; sollte er aber weniger heiß seyn als der
Kolben vom ersten Massel, so kömmt dieser an die mittlere Stelle.
Der vollendete zweite Kolben wird dann auf den leer gewordenen
Platz eingelegt. Die Kolben weiden übrigens beim Hitzgeden im
Feuer wie die Masseln behandelt, und nach erfolgter Hitze unter
dem Hammer zu fertigen Stäben ausgeschmiedet, wenn sich nicht
etwa eine unganze Stelle zeigt. Wenn der erste Kolben aus dem
Feuer und das nächst heißeste Stück an dessen Stelle gerückt ist,
wird an des letztcrn Platz ein Massel aus dem Wärmofcn oder
Vorglühherde eingehalten, damit zur Beförderung des Ausheizcns
der Naum im Feuer immer bestens benützt wird; bisweilen wird
selbst früher schon, bevor ein Kolben aus dem Feuer ist, ein neuer
Massel nachgetragen, so daß 4 Stücke, Kolben und Masseln gleich-
zeitig im Feuer sich befinden, weil die Kolben doch etwas weniger
Naum in Anspruch nehmen, als die Masseln. So kommt ein Mas-
sel nach dem andern aus dem Wärmen oder Vcrglühherde ins
Feuer, bis alle fünf den erst eingehaltenen drei Stücken nachge-
folgt sind; und in dem Maße als gegen Ende des Aushenpro-
zesscs das Feuer von den Masseln und Kolben befreit wird, wer-
ten neue Floßcngarbcn nachgetragen, wie wir im folgenden Pa-
ragraphe hören werden. Wesentlich zur Beschleunigung des Aus-
heizprozesses ist außerdem aber noch der "Umstand, daß man tie
seitwärts vom mittlern Massel oder Kolben befindlichen Stücke stets
nach Tlmnlichkcit dem mittlern Raume nähert, damit sie bereits
eine gute Glühhitze erhalten, bevor sie in den eigentlichen Hitzraum
gelangen.
Nenn eine gut aussehende Hitze beim Schmieden unter dem
Hammer Nngän;en zeigt, so kann dieses von roheren Stellen oder
von eigenthümlichen Hauten herrühren. Im erstem Falle läßt sich
das Eisen gewöhnlich beim Schmieden selbst wieder ganz machen;
denn das Ilnganzwcrden, Stören, desselben tritt hierbei nur ci',i,
weil die roheren Stellen in der vollen Schwcißhitze die mechanische
Bearbeitung nicht ertragen, wohl aber in minderer Hitze, wie sich
demnach die Hitze des zu schmiedenden Stückes bis zum entspn-
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Title
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Subtitle
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Author
- Peter Tunner
- Publisher
- C. Tanzer'schen Schriften
- Location
- Graz
- Date
- 1846
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.09 x 19.47 cm
- Pages
- 540
- Keywords
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen