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dcrsintt. Es ist klar, daß die Ncgulirung des »loheisenschmehens
hierbei schwieriger und unsicherer ist, als bei der steirischcn Arbeit,
wobei das Roheisen in Zangen eingehalten, jeden Augenblick nach
Belieben gerückt werden kann. Vei der ungleich telicaleren Stahl-
arbeit wäre diese Zcrrcnnmethode schon dieserwegcn nicht brauchbar,
außer man wollte absichtlich einen ungleichen, eisenschüßigen Roh«
stahl erzeugen. Die Stärke des Windes ist bei der kärntnerischen
Löscharbeit ziemlich dieselbe, wie bei der steirischen, bei vollem Winde
durchschnittlich 20 bis 24 Zoll Wassersäule. Schlacke befindet sich
bei der Vlattclfrischmethode in der Regel mehr im Feuer, und je-
denfalls wird mehr Schlacke gebildet als beim Flessenzecrennen,
«eil ein großer Theil des Roheisens schon durch dcn Vratprozeß,
und ein noch beträchtlicherer durch die vermehrte Berührung des
Windes mit den viel Oberstäche darbietenden Vlatleln, beim Frischen
oiüdirt wird, woher es kömmt, daß die kärntnerischen Eilcnfeucr im-
mer heller brennen, ein öfteres Weichaufgcben, öfteres Tinterlassen
und eine eisenreicherc Frischschlacke geben. Mit Ausnahme der glü-
henden Schwallbrockcn, welche beim Vorbereiten des Heiles öfters
aufgegeben »erden, wird in der Regel aller Zusatz nur in fein ge«
pochtem Zustande aufgegeben, zu welchem Ende »in eigener Schla-
ckcn-Slampf oder Hammer vorhanden ist.
Veim Nachzerrennen sind gleichfalls die im §. 94 weitläufig
erörterten Umstände zu berücksichtigen. Im Ganzen hat man hier-
bei weniger Vorsicht nöthig als bei der Schwallarbeit, weil in Folge
der geringern Formneigung und des etwas schwächern Nindes, wie
der größcrn Schlackenmenge, selten sehr viel Dünneren gebildet
wird- Aus diesem Grunde, und weil ein zu hohes Ansitzen des Frisch-
bodens bei dcm jedesmaligen Reinigen des Herdes bis auf den Lösch«
Hoden bei der kärntnerischen Löscharbeit kaum eintreten !ann, und
zudem der Herd breiter ist, hat man dabei selten stark aufgebaute
Hachel, obschon sie meist sehr von Schlacke durchdrungen und sehr
gaar find. Die Dauer des Zerrennprozesses sammt Nachblasen ist
gewöhnlich 2 Stunden.
H. >N8 Der ausgcstochene Deul hat im Aeußer» mehr das
Aussehen eines steirischen Lcschdachels, nur ist er vermöze der Ge-
ftalt der mit Eisenplatten ausgesetzten Herzgrube weniger »bgerun-
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Title
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Subtitle
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Author
- Peter Tunner
- Publisher
- C. Tanzer'schen Schriften
- Location
- Graz
- Date
- 1846
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.09 x 19.47 cm
- Pages
- 540
- Keywords
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen