Page - 398 - in Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden - in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
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Ausfassen des Roheisensandes werden die größern Stücke zurückbe-
halten, um sie bei Gelegenheit des nächsten Pochens nochmals un-
ter den Hammer zu bringen. Je feiner und gleichmäßiger das Roh-
eisen zerpocht ist, einen desto bessern Frischerfolg lann man sich ver-
sprechen. Am besten läßt sich das graue, weniger das halbirle, am
schlechtesten das weiße Roheisen pochen. Da es sich öfteis ereignet,
daß beim Flossenwärmcn stellenweise schon ein Abschmelzen beginnt,
so wird das Wännfcuer periodisch geräumt, und das Abgcschmolzene
gleichfalls unter ten Pocher geworfen.
Wie leicht abzunehmen, kann dieses Pochen als eine Art Vor^
bereitung, Vorfrischung des Roheisens betrachtet werden.
Der Frischherd wird mit feuchter Lösche und beim Nohgang
mit starkem Wässern, wie bei der steirischen Löscharbeit zugerichtet,
und ebenso mit dem Ausheizen der Massel begonnen. Der Dachel
wird in drei parallel gelegene Massel zerschrotten, von denen das
Mittelstück, ohne vorher gedrückt zu werden, die erste Hitze bekommt,
in der bloß ein Griff angeschmiedet wird; dieselbe Behandlung er-
fahren hernach die früher gedrückten Ranftmassel. Hierbei macht der
Heizer auf ähnliche Art die Hitze fertig, tauscht dann aber, wäh-
rend der Massel noch im Feuer ist, die Hcizzange gegen die Schmied»
zange aus, dicht die Hitze noch etliche Male über, und dann holt
sich der Hammermeister mit dem Feuerzug die Hitze selbst aus dem
Feuer, wobei der Heizer mit einer Schaufel das Herabfallen der
Kohlen wehrt. Je nach Umständen wird beim Greifen'chmiedcn bis-
weilen schon ein Zaggel abgesetzt; alle Zaggel werden in der Mitte
abgetragelt. Sind alle drei Massel in Kolben verwandelt, so werden
dann diese nacheinander auf die uns bereits bekannte stcirische Art
ln Vollendung gebracht, und zwar für die gröbern Streckwaarcn
geschieht das Ausheizen der großen Zaggel bis zu lalbuollcndetcn
Kolben noch im Zerrennfeuer, für die feinere Waare aber nur bis
zu den Zaggeln. Das Wärmen und Ausschmieden der halbfertigen
Kolben wie der kleinen Zaggel geschieht während der Zcrrenn, wozu
das kleine Wärmfeuer und der Streckhammer dienen.
Wählend des Ausheizprozesses gelten die gewöhrlichcn Regeln
zur Bildung eines guten Zerrennbodens, der sich Hierlei wegen des
schwachen Wlntes gewöhnlich ziemlich hoch ansetzt. Roheisen wird
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Title
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Subtitle
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Author
- Peter Tunner
- Publisher
- C. Tanzer'schen Schriften
- Location
- Graz
- Date
- 1846
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.09 x 19.47 cm
- Pages
- 540
- Keywords
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen