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Nach ausgcbrochener Luppe wird der Herd wieder aufs Neue
«ach der im Z. 12ü beschriebenen Art für die nächste Schmelzung
vorbereitet, und der ganze Zeitaufwand von einer Luppe zur nächst
folgenden wechselt von 2 bis 3V?, selten bis 4 Stunden; oder die
Zeit für das Luppcnmachcn allein beträgt '/? bis '/^ Stund.
§. >3O. Die Luppen der Kleinfrischerei werden gewöhnlich
in ein einziges Stück zusammengedrückt, zu einem langen Massel
ausgereckt, welcher sodann aber in seiner mittlern Länge abgesetzt,
eigentlich doch zwei Massel oder Schirbel gibt. War die Luppe gut
gefrischt, so muß sie bei diesem Zusammendrücken unter einem gegen
4 Zentner schweren Hammer sogleich die volle Geschwindigkeit des-
selben erleiden, ohne sich dabei zu stören, was nur bei rohen Stel-
len eintrettn kann.
Veide Schirbel werden zu deren Ausheizung ins Frischfeuer
gebracht, wozu bei dem Einsetzen des Roheisens nach §. 126 Raum
gelassen wird. Einer derselben kommt über, der andere vor die Form
zu liegen; letzterer wird natürlich zuerst in Arbeit genommen. Veide
werden an ihrem Schreitende mit den Ausheizzangen gefaßt, theils
wegen des leichtern Festhaltens an diesem Ende, theils um das
unreinere, entgegengesetzte Ende, von dem am meisten abgeheizt
werden muß, zunächst in Hitze ,u bringen. Ob von einem Schir-
bel bloß Ein oder mehrere Kolben gemacht werden sollen, hängt
lediglich von der Gattung des unter dem Hammer darzustellenden
Stabeiscns ab. Ilcberhaupt bietet die weitere mechanische Bearbei-
tung des Eisens gegen daö Verfahren bei der Einmalschmelzerei
nichts Eigenthümliches dar.
Mehr Eigenthümlichkeit als die mechanische Vearbeitung un<
tcr dem Hammer zeigt uns der Ausheizprozeß im Feucr, weil die-
ser gleichzeitig mit dem Einschmelzen des Roheisens betrieben wird.
Die nothwendige Folge davon ist, daß während des Ausheizens ein
großer Rohgang im Herde Statt findet, der in mehrfacher Bezie-
hung auf die zu erzeugenden Hitzen Einfluß hat. Es ist hierbei
nicht möglich, so vollkommene und saftige Hitzen zu erzeugen, wie
dieses bei der Einmalschmclzcrei der Fall ist. Man darf mit dcu
Hitzen nie zu Boden fahren, um sie daselbst im Schlackcnbade um-
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Title
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Subtitle
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Author
- Peter Tunner
- Publisher
- C. Tanzer'schen Schriften
- Location
- Graz
- Date
- 1846
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.09 x 19.47 cm
- Pages
- 540
- Keywords
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen