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lösche ist es möglich, dcm Löschboden die nöthige Haltbarkeit zu geben,
und ihn als schlechten Wärmeleiter herzustellen') ; — Ist das Feuer
kalt, wie im Beginne der ersten Wochenschicht jedesmal der Fall ist,
übrigens aber der Löschboden noch gut, so muß derselbe vorerst durch
eine Kohlenglut mehrere Stunden ausgewärmt, und dann gestauchet
werden; zeigt er sich aber zu tief gelegen, muß Vlaselösche eingereutert,
dann ausgewärmt und hierauf gcstauchet werden. Dieses Auswärmen
und Stauchen wird von fleißigen Arbeitern vor der ersten Wochen-
schicht zweimal hintereinander vorgenommen, indem Sonntags Nach-
mittag die erste Glut mit gießen Kohlenstücken in die Grube gebracht,
tann Abends das eistemal gestaucht, hierauf wieder Kohlenglut dar»
über gemacht, und um Mitternacht mit Beginn der Schicht das zweite-
mal gestaucht wird. Ebenso wird der Löschbodcn nach Beendigung und
vor Anfang jeder Schicht gestaucht. Ucbrigens kann bemerkt werden,
daß der Lcschboden beim Stahlfrischen weniger leidet als beim Hart-
zerrennen.
Die Betrachtung des kärntnerischen Stahlfrischprozesses lönnen
wir uns zur bessern Uebersicht in folgende drei Abtheilungen bringen:
die Saucrbi ldung und das Dculputzen, die Bi ldung des
Frischbcdens und das Deulumschlagen, und tie Cotta-
bi ldung und den weitern Aushe izprozeß, welche wir in
dieser Ordnung nun vornehmen wollen.
8. 143 . Die eigentliche Arbeitschicht wird mit dem Ein-
schmelzen von frischem, unvorbereitetem Roheisen gemacht, um daraus
eine dickflüssige Eiscnmasse, Sauer genannt " ) , in den Herd zu
bitommen, welcher bei tcr folgenden Cottabildung gleichsam als Un-
terlage dient. Hierzu werten gewöhnlich die dicken Ränder und Kö-
nig« der Vlatlel genommen, im Gewichte von 40 bis 70 Pfund,
welche auf der Niaseite in den zuvor mit Kohlen gefüllten Herd auf-
»> Qv es übrigen« nicht zweckmäliia wäre, diesen Löschbode» «uj leichtem Westüle
(liehe die erste Anmerkung zu ;, ,"> anzufertigen, lassen n»r lahmgestellt seyn,
»') Unter S a» er verstehet der lärntnenscheHammerarbeiter überhaupt eine mehr
oder »eniaee «üfsige Fisenmasse! und um «uglcich den Wra» dt« Flüssiascyns,
welcher bei einer gewissen Temperatur mit dem Grade der Waare übercin,
stimmt, z» bezeichnen, bedient er sich des Ausdruckes frischer Soucr bei
«roß« FlüMitit, un« weicher Souer für «inen schon ha!0g««ren Zuston».
Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Title
- Gemeinfaßliche Darstellung der Stabeisen u. Stahlbereitung in Frischherden
- Subtitle
- in den Ländern des Vereins zur Beförderung und Unterstütztung der Industrie und Gewerbe in Innerösterreich, dem Lande ob der Enns und Salzburg
- Author
- Peter Tunner
- Publisher
- C. Tanzer'schen Schriften
- Location
- Graz
- Date
- 1846
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.09 x 19.47 cm
- Pages
- 540
- Keywords
- Stahlindustrie, Stahlwirtschaft
- Categories
- Geschichte Historische Aufzeichnungen