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Lieblingsbilder oder Alltagsgegenstände Jede_r Teilnehmer_in bringt ein
eigenes Lieblingsbild oder einen Alltagsgegenstand mit. Im Gruppenprozess
werden die Bilder/Gegenstände miteinander bearbeitet und/oder unter
einander
ausgetauscht. Die Auswahl kann thematisch völlig offen gelassen, aber auch
thematisch angeleitet werden. Diese Variante hat hohen partizipativen und
prozesshaften Gehalt. Der zeitliche Aufwand für die Umsetzung ist mäßig.
Lochkamera Als Basis fĂĽr das Arbeiten mit Fotografie werden Kameras
selbst gebastelt, damit wird fotografiert und die Bilder werden selbst entwickelt.
Ist keine Dunkelkammer vorhanden, kann auf einfache Weise ein provisori-
sches Fotolabor eingerichtet werden. Es wird in Kleingruppen (5–10 Perso-
nen) gearbeitet, um die Technik kennenzulernen und erste Experimente zu
machen. Durch verschiedene Ăśbungen mit Licht und Schatten schulen die
Teilnehmer_innen ihre Wahrnehmung. Dabei entstehen erste Fotos, die in
der Gruppe betrachtet, besprochen und/oder ausgetauscht werden. Je nachdem,
in welchem Umfeld die Experimente mit der Lochkamera gemacht werden,
bestehen fĂĽr die Teilnehmer_innen gewisse Vorgaben und ein gewisses
Setting fĂĽr ihre Motivwahl. Der partizipative Gehalt ist hoch, die Prozess-
haftigkeit durch das gegebene Setting eher mäßig. Der interaktive Gehalt ist
durch die Zusammenarbeit beim Experimentieren hoch. Der zeitliche Auf-
wand fĂĽr die Umsetzung ist sehr hoch.
Bildpool Die Gruppenleiter_innen stellen, ähnlich wie bei Fotoelizitations-
Methoden, einen Bildpool zusammen, den sie den Teilnehmer_innen am
Anfang zur Auswahl geben. Jede_r Teilnehmer_in sucht sich aus diesem
Bestand ein Bild aus und erläutert seine_ihre Wahl in der Gruppe. Gibt es für
das Gesamtprojekt eine thematische Vorgabe, kann der Bildpool entsprechend
angelegt werden. Die Teilnehmer_innen können sich selbst vergleichsweise
wenig einbringen. Der partizipative, prozesshafte und interaktive Gehalt
ist gering. Der zeitliche Aufwand fĂĽr die Umsetzung im Gruppenprozess ist
vergleichsweise niedrig. Es muss aber bedacht werden, dass die Gruppen-
leiter_innen im Vorfeld Zeit fĂĽr die Recherche und Zusammenstellung eines
entsprechenden Bildpools brauchen.
Zufall Die mitgebrachten Bilder/Gegenstände der Teilnehmer_innen
werden eingesammelt und nach Zufallsprinzip neu verteilt. Jede Person erhält
den Gegenstand einer anderen Person als Impuls fĂĽr das weitere Arbeiten.
In dieser Variante sprechen die Teilnehmer_innen nicht miteinander ĂĽber die
eigenen Bilder/Gegenstände und auch nicht über jene, die sie als Impuls erhal-
ten. Die Interpretation des Impulsgegenstandes bleibt der einzelnen Person
ĂĽberlassen. Was und wie sie damit umgeht, steht ihr offen. Der interaktive und
zeitliche Aufwand fĂĽr die Umsetzung ist eher gering.
Dialogrunde Der Gedankenaustausch ĂĽber die mitgebrachten Bilder und/
oder Gegenstände kann im Rahmen einer ersten Dialogrunde stattfinden,
die als Vorstufe zum Bilddialog betrachtet werden kann. Bei dieser Variante
wird über die jeweiligen Bilder/Gegenstände in Kleingruppen gesprochen.
Die Teilnehmer_innen erzählen einander, was sie über die eigenen und die
Generative Bildarbeit
Zum transformativen Potential fotografischer Praxis
- Title
- Generative Bildarbeit
- Subtitle
- Zum transformativen Potential fotografischer Praxis
- Author
- Vera Brandner
- Publisher
- transcript Verlag
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5008-6
- Size
- 14.8 x 22.5 cm
- Pages
- 276
- Keywords
- Forschendes Lernen, Fotografische Praxis, Methodik, Generative Bildarbeit, Grenzarbeit, Kulturelle Differenz, Praxeologie, Selbstversuch, Reflexive Grounded Theory, Selbstwahrnehmung, Fremdwahrnehmungen, Situationalität, Reflexivität
- Category
- Medien