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Generative Bildarbeit - Zum transformativen Potential fotografischer Praxis
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130 Speicherkarten ausgestattet, auf denen mehrere tausend Fotos festgehalten werden können. So wird in einer bestimmten Situation mit einer digitalen Kamera meist ein Vielfaches mehr an Fotos gemacht als mit einer analogen. Es wird viel schneller und spontaner auf den Auslöser gedrückt, viel mehr fotografiert. Die Bildauswahl wird in vielen Fällen nicht beim Fotografieren getroffen, sondern zu einem späteren Zeitpunkt. Die Vielzahl an Fotos, die beim digitalen Fotografieren entstehen, kann aber auch zu einer Hürde im Auswahlprozess werden. Löschen oder Bewahren? Bei digitalen Verfahren kann gleich nach der Aufnahme überprüft werden, ob ein Foto dem entspricht, was man damit zeigen wollte. Bei der Verwendung digitaler Kameras können einzelne Fotos beliebig gelöscht werden, was ein Nachteil sein kann, wenn die Teilnehmer_ innen Bilder löschen, ohne sie vorher genau angesehen zu haben. Bei der Beurteilung anhand des Kameradisplays werden oft interessante Details übersehen, denn der Gehalt eines Fotos ist in der kleinen Ansicht oft nicht erkennbar. Bei analogen Kameras dagegen kann ein Bild erst aussortiert werden, wenn es bereits entwickelt wurde und als Print vorliegt. Oft wird erst beim Ansehen der Prints erkannt, ob ein Bild interessant ist. Auch kann der Auswahlprozess dadurch gemeinsam mit Anderen geschehen, wodurch Bilder Beachtung bekommen, die der_die Fotograf_in im Alleingang unter Umständen gelöscht hätte. Computer oder Fotolabor? Je nachdem, in welchem Kontext und mit wel- chen Zielen ein Gruppenprozess angelegt ist, muss bedacht werden, ob und wie die Teilnehmer_innen über einen längeren Zeitraum hinweg selbstständig mit Fotografie arbeiten können. In einem Umfeld, in dem Computer leicht zugänglich sind und die Teilnehmer_innen über ausreichend Kenntnisse zur Ver- und Bearbeitung von digitalen Fotos verfügen, empfiehlt es sich, was an Material, Wissen und Fähigkeiten vorhanden ist, im Projektzusammenhang zu nutzen. In einem solchen Setting können die Teilnehmer_innen selbständig ihre Fotos von der Speicherkarte auf den Computer übertragen und ausdrucken. Sind nicht für alle Teilnehmer_innen Computer vorhanden oder verfügen nicht alle über das notwendige Wissen im Umgang damit, muss die Verarbei- tung der Fotos von der Projektleitung übernommen bzw. unterstützt werden. In manchen Settings ist es unter Umständen einfacher, einen Farbfilm zur Entwicklung in ein Fotolabor zu bringen, als sich Zugang zu Computerräumen zu verschaffen bzw. das notwendige Computer-Know-how zu vermitteln. Filmrolle oder Speicherkarte? Ein Vorteil bei der Verwendung von Filmrollen besteht jedenfalls in Bezug auf das Copyright. Ein Negativ ist im Gegensatz zu den Daten auf einer Speicherkarte ein Unikat und kann nicht einfach dupliziert werden; das unkontrollierte Reproduzieren ohne die Erlaubnis der Urheber_in wird beim analogen Fotografieren also erschwert. Umgekehrt bedeutet das jedoch auch einen größeren Aufwand, wenn Fotos für verschiedene Zwecke (immer nur mit der Erlaubnis der Urheber_innen) veröffentlicht werden sollen — dann müssen die Negative digitalisiert werden, was einen zusätzlichen Arbeitsschritt bedeutet.
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Generative Bildarbeit Zum transformativen Potential fotografischer Praxis
Title
Generative Bildarbeit
Subtitle
Zum transformativen Potential fotografischer Praxis
Author
Vera Brandner
Publisher
transcript Verlag
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-5008-6
Size
14.8 x 22.5 cm
Pages
276
Keywords
Forschendes Lernen, Fotografische Praxis, Methodik, Generative Bildarbeit, Grenzarbeit, Kulturelle Differenz, Praxeologie, Selbstversuch, Reflexive Grounded Theory, Selbstwahrnehmung, Fremdwahrnehmungen, Situationalität, Reflexivität
Category
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