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Gelegenheit, aktiv an der Gestaltung des Forschungsprozesses und der ent-
sprechenden ethischen Grundlage mitzuwirken. Clark resĂŒmiert: âBy not
assuming that, as researchers, we knew âbestâ, we could navigate a path
through the ethical maze with the support of participantsâ (Prosser 2000: 27).
Infolge der Diskussionen und der Sensibilisierungsarbeit mit den Teilnehmer_
innen zur Frage der Zustimmung von Menschen vor und hinter der Kamera
fingen manche Teilnehmer_innen im Prozessverlauf an, selbst Informations-
gesprĂ€che mit den Menschen, die sie fotografierten, zu fĂŒhren. Manche der
Teilnehmer_innen vermieden es, Menschen zu fotografieren, andere fragten
um Erlaubnis. Wieder andere fotografierten Freunde und Bekannte und stell-
ten die Bilder den Forscher_innen fĂŒr die Analyse, aber nicht fĂŒr die Veröffent-
lichung zur VerfĂŒgung. Und manche Teilnehmer_innen zeigten ihre Bilder, auf
denen Menschen zu sehen waren, im Forschungsprozess her, gaben sie aber
nicht aus der Hand. Jene Bilder, auf denen Menschen erkennbar waren, die
nicht eindeutig eine EinverstÀndniserklÀrung abgegeben hatten, wurden nicht
veröffentlicht (ebd.: 27â28).
AnonymitÀt und Sicherheit
Beim Arbeiten mit visuellen Methoden und Materialien ist die Wahrung der
AnonymitÀt zum Schutz der Teilnehmer_innen auf jeden Fall notwendig,
wenn besonders sensible Themen angesprochen und reflektiert werden wie
beispielsweise Sexarbeit, Gewalt in der Familie, HIV/Aids. In solchen Situatio-
nen sollten unter UmstÀnden nicht nur Personen, sondern auch PlÀtze, Orte
und RĂ€ume anonymisiert werden. Es geht darum, Orte, die fĂŒr das Erkennt-
nisinteresse eines Projektes von Bedeutung sind, nicht durch das Projekt zu
belasten und zu stigmatisieren. In dieser Hinsicht muss man auch die Men-
schen, die dort leben, schĂŒtzen. Jedoch ist die Anonymisierung des rĂ€umlichen
Umfelds auf visuellem Material meist sehr schwierig bzw. unmöglich. FĂŒr
die Menschen, die mit einem abgebildeten Ort vertraut sind, wird dieser
erkennbar bleiben (Mitchell 2011: 22). Dennoch gibt es verschiedene ZugÀnge,
Umgangsformen, Methoden und Techniken, die bei Bedarf zur Anwendung
kommen können:
⹠Verzicht auf die Veröffentlichung gefÀhrdender Bilder bzw. von
Bildern, auf denen Menschen und Orte erkennbar sind (Barrett 2004;
Schwartz 2002)
âą Verwischungs- und Pixelierungstechniken (Hindmarsh/Tutt 2012)
âą Verwendung von Pseudonymen (Marquez-Zenkov 2007; Mizen 2005)
âą Visuelle Darstellungen ohne Menschen oder bestimmte Orte:
Symbolbilder bzw. abstrakte Bilder (Riggins 1994)
âą Softwareprogramme, die aus Fotos Zeichnungen oder Malereien
machen (Wiles et al. 2008)
Die Wahrung der AnonymitÀt und Diskretion wurde in allgemeinen ethischen
Richtlinien eine Zeit lang fĂŒr unumstöĂlich gehalten. Gillian Rose (2012) ver-
weist auf die ethischen Richtlinien des Economic and Social Research Council,
das 2006 noch gefordert hat, dass sĂ€mtliche Informationen ĂŒber die Teilneh-
mer_innen von Forschungsprojekten durchwegs vertraulich behandelt werden
und dass bedingungslos die AnonymitÀt aller beteiligten Personen garantiert
Generative Bildarbeit
Zum transformativen Potential fotografischer Praxis
- Title
- Generative Bildarbeit
- Subtitle
- Zum transformativen Potential fotografischer Praxis
- Author
- Vera Brandner
- Publisher
- transcript Verlag
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5008-6
- Size
- 14.8 x 22.5 cm
- Pages
- 276
- Keywords
- Forschendes Lernen, Fotografische Praxis, Methodik, Generative Bildarbeit, Grenzarbeit, Kulturelle Differenz, Praxeologie, Selbstversuch, Reflexive Grounded Theory, Selbstwahrnehmung, Fremdwahrnehmungen, SituationalitÀt, ReflexivitÀt
- Category
- Medien