Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Lehrbücher
Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Page - 145 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 145 - in Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)

Image of the Page - 145 -

Image of the Page - 145 - in Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)

Text of the Page - 145 -

Kämpfen“ von „farb- und gestaltlose[n] Kräfte[n], Bewegungen, Fakto- ren“, von „körper- und sprachlose[n] Subjektivitäten“.24 AuchMarianneThalmannsHabilitationsschriftDerTrivialromanund der romantische Roman (1923) kann rhetorisch und stilistisch der Geis- tesgeschichte zugeordnetwerden.Gleich zuBeginnderEinleitung, inder Thalmann vorgibt, einenÜberblick über die Entwicklung der geheimen OrdenundGesellschaften in der zweitenHälfte des 18. Jahrhunderts zu geben, stößtman als Leser auf eine Textwelt, in der sich alles scheinbar unkontrolliert bewegt: Es wird „gestiegen“, „erstanden“, „um sich ge- griffen“, „hineingeraten“, „verzweigt“, „gehäuft“, „erfaßt“, „ins Leben getreten“, „aufgetaucht“, „übernommen“, „vergrößert“und„zugeströmt“. Undwassichbewegt,diezugehörigengrammatischenSubjekte,verstärken nochdenEindruckdeshistorisch,geographischundsozialnichtFassbaren: BeidengrammatischenSubjektenhandelt es sichnämlichum„eineReihe neuer Führer“, die „Maurerei“, die „Rektifikation der Logen“, die „Be- wegung“ selbst, „Sekten“ sowie „Magier und Scharlatane“. Und wohin bewegen sich diese entpersonalisierten Subjekte? Nicht an einen be- stimmten Ort, sondern in „eine Zeit heftiger Gärungen“, in „eine ge- heimnisvollereundekstatischereVergesellschaftung“, in„einausgesprochen geheimnisvolles Fahrwasser“, in einen „Zauberkessel vonMystik und Ei- gennutz“.Und fragtman sich noch, umwenigstens einen überprüfbaren Anhaltspunktzuhaben,wiesichdieseform-undzeitlosenWesenbewegen, so findetmandieAuskunft: „wie rascheMeteore“.25 Führt man diese Art der Lektüre, die hier imDetail nur den ersten Absatz des Buchs umfasst, weiter, so fällt auf, dass sich Thalmann die gesamte Studie hindurch einer derartigenWissenschaftssprache bedient. Zwar klingt der Anspruch der Arbeit, den Thalmann im Vorwort for- muliert,nochvergleichsweiseprofan;siemöchte„einenQuerschnittdurch den Trivialroman des 18. Jahrhunderts“ ziehen, um „das breite Feld bloßzulegen, das für romantische Ideen vorbereitet war“. Umdie „Dar- stellungeiner chronologischenEntwicklung innerhalbderProduktionder einzelnen Schriftsteller“ geht es ihr dabei aber ausdrücklich nicht. (Thal- mann1923,Vorwort,o.P.)AuchobsichdiebesprochenenSchriftstellerder 24 Weimar:DasMuster geistesgeschichtlicherDarstellung (1993), S. 93. 25 Alle Zitate: Thalmann:Der Trivialroman und der romantische Roman (1923), S. 1. – ImFolgenden imFließtext zitiert als (Thalmann1923, [Seitenabgabe]). – Thalmann arbeitet nicht nur mit einer hochmetaphorischen Sprache, sondern vielfach auch mit Veränderungen im Schriftbild. Die große Zahl an Kursivie- rungen aus demOriginalwird in denZitaten beibehalten. III.1. Darstellung statt Erkenntnis? 145
back to the  book Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)"
Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Title
Germanistik in Wien
Subtitle
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Author
Elisabeth Grabenweger
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Location
Berlin
Date
2016
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
290
Keywords
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Category
Lehrbücher
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Germanistik in Wien