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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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Kämpfen“ von „farb- und gestaltlose[n] Kräfte[n], Bewegungen, Fakto- ren“, von „körper- und sprachlose[n] Subjektivitäten“.24 AuchMarianneThalmannsHabilitationsschriftDerTrivialromanund der romantische Roman (1923) kann rhetorisch und stilistisch der Geis- tesgeschichte zugeordnetwerden.Gleich zuBeginnderEinleitung, inder Thalmann vorgibt, einenÜberblick über die Entwicklung der geheimen OrdenundGesellschaften in der zweitenHälfte des 18. Jahrhunderts zu geben, stößtman als Leser auf eine Textwelt, in der sich alles scheinbar unkontrolliert bewegt: Es wird „gestiegen“, „erstanden“, „um sich ge- griffen“, „hineingeraten“, „verzweigt“, „gehäuft“, „erfaßt“, „ins Leben getreten“, „aufgetaucht“, „übernommen“, „vergrößert“und„zugeströmt“. Undwassichbewegt,diezugehörigengrammatischenSubjekte,verstärken nochdenEindruckdeshistorisch,geographischundsozialnichtFassbaren: BeidengrammatischenSubjektenhandelt es sichnämlichum„eineReihe neuer Führer“, die „Maurerei“, die „Rektifikation der Logen“, die „Be- wegung“ selbst, „Sekten“ sowie „Magier und Scharlatane“. Und wohin bewegen sich diese entpersonalisierten Subjekte? Nicht an einen be- stimmten Ort, sondern in „eine Zeit heftiger Gärungen“, in „eine ge- heimnisvollereundekstatischereVergesellschaftung“, in„einausgesprochen geheimnisvolles Fahrwasser“, in einen „Zauberkessel vonMystik und Ei- gennutz“.Und fragtman sich noch, umwenigstens einen überprüfbaren Anhaltspunktzuhaben,wiesichdieseform-undzeitlosenWesenbewegen, so findetmandieAuskunft: „wie rascheMeteore“.25 Führt man diese Art der Lektüre, die hier imDetail nur den ersten Absatz des Buchs umfasst, weiter, so fällt auf, dass sich Thalmann die gesamte Studie hindurch einer derartigenWissenschaftssprache bedient. Zwar klingt der Anspruch der Arbeit, den Thalmann im Vorwort for- muliert,nochvergleichsweiseprofan;siemöchte„einenQuerschnittdurch den Trivialroman des 18. Jahrhunderts“ ziehen, um „das breite Feld bloßzulegen, das für romantische Ideen vorbereitet war“. Umdie „Dar- stellungeiner chronologischenEntwicklung innerhalbderProduktionder einzelnen Schriftsteller“ geht es ihr dabei aber ausdrücklich nicht. (Thal- mann1923,Vorwort,o.P.)AuchobsichdiebesprochenenSchriftstellerder 24 Weimar:DasMuster geistesgeschichtlicherDarstellung (1993), S. 93. 25 Alle Zitate: Thalmann:Der Trivialroman und der romantische Roman (1923), S. 1. – ImFolgenden imFließtext zitiert als (Thalmann1923, [Seitenabgabe]). – Thalmann arbeitet nicht nur mit einer hochmetaphorischen Sprache, sondern vielfach auch mit Veränderungen im Schriftbild. Die große Zahl an Kursivie- rungen aus demOriginalwird in denZitaten beibehalten. III.1. Darstellung statt Erkenntnis? 145
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Titel
Germanistik in Wien
Untertitel
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Autor
Elisabeth Grabenweger
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
290
Schlagwörter
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Kategorie
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