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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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nichtmehrals losgelöste, selbständigeGestaltgegenüber[tritt], sondernals Abspaltung seines eigenen Ich“. (Thalmann1923, 275) Die zweite romantischeFigur,die ausdemGeniusdesBundesromans entstand, siehtThalmann im romantischenKünstler.Diesendefiniert sie als „VerklärungdesweisenMagiers“, als eineGestalt, die „die eigentliche Kunst desMaurers, dieBaukunst,Astronomie,Geometrie,Ton-,Dicht-, Scheidekunst,dieKunstdesHerrschens“übe. (Thalmann1923,265)Der romantische Künstler stehe wie die Geniusfigur „über denMenschen“, aber „nichtmehr alsBote einer unbekanntenMacht, sondernkraft seines bildendenWillens, als Schaffender“; er sei „vollendeter Weiser –Meister, Magier“. Als literarische Beispiele nennt ThalmannLudwigTiecks Figur des AndreaCosimo, der, wie es bei Tieck heißt, aus Lovell, „diesem selt- samenSteine, Funken zu schlagen“ gedenke,weiters den „abenteuerliche[n] Eremit[en] […], der auchMaler ist“, inTiecksFranz SternbaldsWande- rungen (1798) und die Künstler, die in Novalis’ RomanHeinrich von Ofterdingen als „Wahrsager und Priester, Gesetzgeber und Aerzte“ be- schrieben werden.Die „größte Kraft ihrer Seele“ haben die Romantiker aber laut Thalmann in eine weitere Umwertung dieser Künstlererschei- nungengelegt,nämlichindie„Beseelung“, indieVerwandlungdesGenius ins Genie. Diese erfolgte, so Thalmann, indem der „Künstler […] der Gottheit näher gerückt“wurde, und zwar „durch jene letzteWeisheit, die der gebundene Sinn der LaienWahnsinn nennt“. So tragen alle roman- tischenKünstler „etwas anscheinend Irres an sich“, dieses sei aber nichts Negatives, sondern es führe imGegenteil zur „höchste[n] dämonische[n] Harmonie“,daesder„wiederholtbetontenAuffassungderRomantik[…], daß Wahnsinn göttliche Torheit sei“, entspräche. Damit seien diese Künstler nicht wie im Trivialroman nur vorgetäuschte, sondern „wahre Eingeweihte“: „Dieprimamateria ist ihnenbekannt, siekennendas letzte Geheimnis, den Stein der Weisen […].“ (Thalmann 1923, 282–283) Dieses letzte Geheimnis, die „überirdische Erlösung“, liege für Tieck, Schlegel und Novalis in der „weiße[n] Magie“, die laut Thalmann fol- gendenZweckhat:„VomGrauendesDualismusindieHarmoniemitsich und den Dingen wachsen, seine Seele den Gegenständen mitteilen, ist wahrhafteTranssubstantiation,istdasedelsteGeheimnisallerMagier.“Die literarischen Beispiele, die Thalmann anschließend an diese Erklärung bringt,beziehensichauf FriedrichSchlegel,der inLucindedas„Chaosder streitendenGestalten“durcheine„MagiederFreude“auflösenwollte,und auf Ludwig Tiecks Roman Franz Sternbalds Wanderungen, in dem das GeheimnisdeswahnsinnigenMalers,dasdieserseinenLehrlingenmitgibt, schlicht laute: „mit sich zufrieden sein“. (Thalmann1923, 287–288) III.Marianne Thalmann (1888–1975)150
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Title
Germanistik in Wien
Subtitle
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Author
Elisabeth Grabenweger
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Location
Berlin
Date
2016
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
290
Keywords
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Category
Lehrbücher
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