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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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Thalmanns Habilitationsschrift74warManns „wichtigste Quelle für NaphtasPerspektiveaufdieFreimaurerei“75,ausihrstammt„fastalles[…], wasNaphta zuFreimaurernundRosenkreuzern,AlchimieundHermetik zusagenweiß“76.DieBemerkungenSettembrinis zumGeheimbundwesen hingegenbeziehen sich–mitAusnahmedes oben erwähntenZitats – auf andere Quellen.77Diese Aufteilung ist durchaus der Figurenkonzeption geschuldet, vertrittdochNaphtaeinebetontantiaufklärerische, irrationale Auffassung des Freimaurertums, wie sie ihreHochblüte gegen Ende des 18.JahrhundertshatteundwiesievonThalmannmiteinigerBestimmtheit beschriebenwird.SeinideologischerWiderpartSettembrinibeziehtsichals Angehörigereinerfortschritts-undvernunftgläubigenWeltauffassungaber auf die langeTraditionder vonverklärterMystikund Irrationalität freien Form des Geheimbundwesens. Gleichzeitig erfährt in der betreffenden FreimaurerpassageauchdieFigurHansCastorpeinePräzisierung.Naphta beschreibt dieAlchimie als Stoffverwandlung und Stoffveredlung, Transsubstantiaton, und zwar zum Höheren, Steigerung also, – der lapis philosophorum, das mann-weibliche Produkt aus Sulfur undMerkur, die res bina, die zweigeschlechtliche prima materiawarnichtsweiter,nichtsGeringeresalsdasPrinzipderSteigerung,der Hinauftreibung durch äußere Einwirkung, –magische Pädagogik,wenn Sie wollen.78 ErsetztdamitHansCastorpsBildungsweginAnalogiezuralchimistischen Verwandlung.79 Das Lungensanatorium wird dabei, wie Mann selbst formulierte, zur „hermetische[n] Retorte, in der ein schlichter Stoff zu ungeahnter Veredlung empor gezwängt und geläutert wird“80. Naphtas „magischePädagogik“81 ist abernichts anderes als die starkkomprimierte 74 In der Sekundärliteratur zuThomasMannwirdThalmanns Studie fälschlicher- weise als Dissertation bezeichnet. Vgl. u.a. Scheer/Seppi: Etikettenschwindel? (1991), S. 56; Mann: Der Zauberberg. Kommentar von Michael Neumann (2002), S. 97. 75 Mann:DerZauberberg.Kommentar vonMichaelNeumann (2002), S. 324. 76 Mann:DerZauberberg.Kommentar vonMichaelNeumann (2002), S. 97. 77 So u.a. auf Wichtl:Weltmaurerei,Weltrevolution,Weltrepublik (1919). – Zu Manns Freimaurer-Quellen vgl. neben den bereits erwähnten Forschungstiteln auchNunes:Die Freimaurerei (1992). 78 Mann:DerZauberberg [1924] (2002), S. 770. 79 Vgl. dazuMann:Der Zauberberg. Kommentar vonMichaelNeumann (2002), S. 330–331. 80 Mann:VomGeist derMedizin [1925] (2002), S. 1001. 81 Mann:DerZauberberg [1924] (2002), S. 770. III.1. Darstellung statt Erkenntnis? 161
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Title
Germanistik in Wien
Subtitle
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Author
Elisabeth Grabenweger
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Location
Berlin
Date
2016
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
290
Keywords
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Category
Lehrbücher
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