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Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
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listischeGründe.WieThalmannsText ist auchNaphtas Redemetapho- rischstarkaufgeladenundrhetorischüberakzentuiert; siebestehtauseiner AnhäufungmaurerischerTerminiund ist vollmitKonnotationen,die auf rational nicht fassbare Zusammenhänge des Geheimbundwesens mit mystischen Vorgängen verweisen. Dabei mutenNaphtas „Begriffskaska- den“wie „Wortjongliererei“ an; sie rufennichtVerständnis, sondern,wie Rainer Scheer und Andrea Seppi mit Recht betonten, eine „Art Verne- belungseffekt“ hervor; teilweise sind seine Aussagen auch „schlichtweg falsch“.85UmhistorischeVerifizierbarkeit oder pädagogische Schlichtheit geht es also inderNaphta-Passage ebensowenigwie inThalmannsBuch. Während der besondere Stil bei Thalmann einem Erkenntnisinteresse geschuldet ist, dasnicht auf geschichtlicheÜberprüfbarkeit setzt, sondern aufeinebestimmteArtderDarstellung,dieeinenMehrwertanBedeutung erzielen soll, hängt Naphtas Rhetorik mit der Figurenkonstellation im Roman zusammen. Seine Rede hat, wie Mann selbst bemerkte, die Funktion, den „radikale[n] und überpointierte[n]Charakter derDiskus- sion“mit Settembrini herauszustreichen und ihrer beider Zeichnung als „Extremisten“zubetonen.86ObdieDarstellungderFreimaurerei sachlich korrekt ist, spieltedabeikeineRolle; insofernhatMannThalmannsStudie auch nicht aufgrund ihrer historischenGlaubwürdigkeit als Quelle ver- wendet, sondern aufgrundder Illustration einerVielzahl von literarischen FreimaurermotivenderRomantik.WennbereitskurznachErscheinendes Romans Einspruch gegenMannsDarstellung desGeheimbundwesens – gerade auch gegen diejenige, die sich auf Thalmann bezieht – erhoben wurde,87soberührtdasalsowederdieZielsetzungvonMannsliterarischem Werknoch vonThalmannswissenschaftlicher Studie.88 Neben denDiskussionen über dasWesen der Freimaurerei ist es vor allem die Epoche der Romantik, die zeitgenössisch zu einem vielfach 85 Scheer/Seppi: Etikettenschwindel? (1991), S. 64. 86 Ballin:ThomasMannunddieFreimaurer(1930),S.242(BriefvonMannanFritz Ballin vom15.Mai 1930). 87 Vgl. u.a. Janssen: ThomasMann und die Freimaurer (1961); Ballin: Thomas Mann und die Freimaurer (1930); Grützmacher: ThomasMann und das Frei- maurertum (1927). 88 ZuManns Anleihen bei ihrer Habilitationsschrift hat sich Thalmann nicht ge- äußert. Bemerkenswerterweise hat sie aber in Bezug auf JakobWassermanns li- terarische Texte mehrfach dessen „Materialausbeutung“ und „Welt aus zweiter Hand“kritisiert, inderdas„MeinundDeinvielfachmehrals fließendeGrenzen“ habe.Thalmann:WassermannsCasparHauserundseineQuellen(1929),S.208; dies.: JakobWassermann (1933), S. 133–134. III.1. Darstellung statt Erkenntnis? 163
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Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Title
Germanistik in Wien
Subtitle
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Author
Elisabeth Grabenweger
Publisher
De Gruyter Open Ltd
Location
Berlin
Date
2016
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
290
Keywords
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Category
Lehrbücher
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