Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Lehrbücher
Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Seite - 163 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 163 - in Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)

Bild der Seite - 163 -

Bild der Seite - 163 - in Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)

Text der Seite - 163 -

listischeGründe.WieThalmannsText ist auchNaphtas Redemetapho- rischstarkaufgeladenundrhetorischüberakzentuiert; siebestehtauseiner AnhäufungmaurerischerTerminiund ist vollmitKonnotationen,die auf rational nicht fassbare Zusammenhänge des Geheimbundwesens mit mystischen Vorgängen verweisen. Dabei mutenNaphtas „Begriffskaska- den“wie „Wortjongliererei“ an; sie rufennichtVerständnis, sondern,wie Rainer Scheer und Andrea Seppi mit Recht betonten, eine „Art Verne- belungseffekt“ hervor; teilweise sind seine Aussagen auch „schlichtweg falsch“.85UmhistorischeVerifizierbarkeit oder pädagogische Schlichtheit geht es also inderNaphta-Passage ebensowenigwie inThalmannsBuch. Während der besondere Stil bei Thalmann einem Erkenntnisinteresse geschuldet ist, dasnicht auf geschichtlicheÜberprüfbarkeit setzt, sondern aufeinebestimmteArtderDarstellung,dieeinenMehrwertanBedeutung erzielen soll, hängt Naphtas Rhetorik mit der Figurenkonstellation im Roman zusammen. Seine Rede hat, wie Mann selbst bemerkte, die Funktion, den „radikale[n] und überpointierte[n]Charakter derDiskus- sion“mit Settembrini herauszustreichen und ihrer beider Zeichnung als „Extremisten“zubetonen.86ObdieDarstellungderFreimaurerei sachlich korrekt ist, spieltedabeikeineRolle; insofernhatMannThalmannsStudie auch nicht aufgrund ihrer historischenGlaubwürdigkeit als Quelle ver- wendet, sondern aufgrundder Illustration einerVielzahl von literarischen FreimaurermotivenderRomantik.WennbereitskurznachErscheinendes Romans Einspruch gegenMannsDarstellung desGeheimbundwesens – gerade auch gegen diejenige, die sich auf Thalmann bezieht – erhoben wurde,87soberührtdasalsowederdieZielsetzungvonMannsliterarischem Werknoch vonThalmannswissenschaftlicher Studie.88 Neben denDiskussionen über dasWesen der Freimaurerei ist es vor allem die Epoche der Romantik, die zeitgenössisch zu einem vielfach 85 Scheer/Seppi: Etikettenschwindel? (1991), S. 64. 86 Ballin:ThomasMannunddieFreimaurer(1930),S.242(BriefvonMannanFritz Ballin vom15.Mai 1930). 87 Vgl. u.a. Janssen: ThomasMann und die Freimaurer (1961); Ballin: Thomas Mann und die Freimaurer (1930); Grützmacher: ThomasMann und das Frei- maurertum (1927). 88 ZuManns Anleihen bei ihrer Habilitationsschrift hat sich Thalmann nicht ge- äußert. Bemerkenswerterweise hat sie aber in Bezug auf JakobWassermanns li- terarische Texte mehrfach dessen „Materialausbeutung“ und „Welt aus zweiter Hand“kritisiert, inderdas„MeinundDeinvielfachmehrals fließendeGrenzen“ habe.Thalmann:WassermannsCasparHauserundseineQuellen(1929),S.208; dies.: JakobWassermann (1933), S. 133–134. III.1. Darstellung statt Erkenntnis? 163
zurück zum  Buch Germanistik in Wien - Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)"
Germanistik in Wien Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Titel
Germanistik in Wien
Untertitel
Das Seminar für Deutsche Philologie und seine Privatdozentinnen (1897–1933)
Autor
Elisabeth Grabenweger
Verlag
De Gruyter Open Ltd
Ort
Berlin
Datum
2016
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-045927-2
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
290
Schlagwörter
German literary studies, literary text, history, first female scholars, Wiener Germanistik, Wissenschaftsgeschichte
Kategorie
Lehrbücher
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Germanistik in Wien